Fünf Männer brauen Craftbeer

Sechs fantasievolle Namen stehen für sechs Sorten des "Ybnstocker". Hobbybrauer wollen die Erzgebirger beim Trend- getränk auf den Geschmack bringen.

Eibenstock.

"Ybnstocker" - dieser Begriff ist kein Kauderwelsch in Denglisch für die Stadt Eibenstock. Die Gründer der gleichnamigen Brauerei haben diesen Namen für ihr Bier vielmehr gewählt, um auf die Historie des Ortes hinzuweisen. Ybnstock, so steht es in der Chronik, nannten ihn die Slawen, die vor über 800 Jahren durch die Gegend zogen. Einen Bezug zu England beziehungsweise den USA gibt es dennoch: Das Bier aus der kleinen Brauerei an der Muldenhammer Straße ist Craftbeer. Der Trend entwickelte sich ursprünglich in den USA.

Christian Müller, Roy Zitterbart, Daniel Weidlich sowie Kay und René Dietel haben im Dezember vergangenen Jahres die Brauerei als GbR gegründet. Die fünf Männer verbindet die Leidenschaft für englisches Bier und für den englischen Fußball. Mehrmals im Jahr reisen sie nach England. London, Liverpool, Birmingham sind die Ziele. Schon vor der Gründung der GbR haben die Freunde sich im Brauen versucht. In einer kleinen Hausbrauanlage entstand Bier für den Eigenbedarf und für den Bekanntenkreis. "Das Interesse am Craftbeer ist auch in Deutschland gewachsen, Vorreiter sind Berlin und Hamburg. Wir wollen den Trend auch ins Erzgebirge bringen, deshalb haben wir uns dazu entschieden, einen größeren Vertrieb aufzubauen", sagt Christian Müller. Entgegen kam den fünf Männern, dass das Gelände einer ehemaligen Baufirma zum Verkauf stand. Um es als Brauerei nutzen zu können, investierten die fünf bierbegeisterten Freunde insgesamt 150.000 Euro.

Im Rhythmus von 14 Tagen wird gebraut. An vier Tagen werden nach und nach die vier Kessel gefüllt. Die Lagerung dauert länger, zwischen sechs und acht Wochen müssen die Flaschen lagern, damit die Aromen ausreifen können. Grundlage des Craftbeers ist Aromahopfen, der auch aus den USA oder aus Australien bezogen wird. Er sorgt für den fruchtigen Geschmack. Weil dieser Hopfen seinen Preis hat und weil die Herstellung von Craftbeer viel mit Handarbeit zu tun hat, kostet die Flasche Bier letztlich auch mehr als gewöhnlich, nämlich zwischen 2 und 2,50 Euro. "Das ist ein Bier zum Genießen, nicht um es kastenweise zu trinken", sagt Müller.

Pro Schicht werden zwischen 250 und 280 Liter gebraut, das entspricht etwa 800 Flaschen. "Wir produzieren auf Halde", sagt Müller. Gelernter Brauer oder Mälzer ist übrigens keiner der Fünf, sie gehen alle einer anderen Tätigkeit nach und teilen sich in der Freizeit in die Arbeit mit der Bierherstellung. Das Wissen darüber haben sie sich aus Büchern und dem Internet angeeignet. Müller: "Unser Ziel ist es natürlich, dass sich das weiterentwickelt. Platz ist am Standort noch."

Zurzeit gibt es das Ybnstocker in sechs Sorten: MiG 21, Sibir, Metal Manda, Suicide Blonde, Bitter Tears und Black Buoy. "Zu jedem gibt es eine Geschichte", sagt Christian Müller. "MiG 21 haben wir uns ausgedacht in Anlehnung ans englische Kampfflugzeug Spitfire aus dem Zweiten Weltkrieg. Wir sind Freunde des traditionellen Ales mit dem Namen Spitfire. MiG 21 ist unsere Antwort." Den ungewöhnlichen Namen entsprechend prangen auf den Flaschen sechs verschiedene Etiketten. Phillip Janta, ein Illustrator aus Leipzig, hat die Bilder in Kratztechnik nach den Ideen der Eibenstocker erschaffen.

Zurzeit sind die Hobbybrauer dabei, zwei neue Sorten zu kreieren. Weil die dann mehr für den Genuss im Winter gedacht sind, werden sie einen höheren Alkoholgehalt haben und dunkler sein. Mehr will Christian Müller dazu jetzt aber noch nicht verraten. In einer kleinen 30-Liter-Anlage werden neue Sorten gebraut. Was nicht gleich schmeckt, wird im Rezept verändert. "Dann steht Intensivverkostung auf dem Programm", so Müller lachend.

Kaufen kann man das Ybnstocker in den Simmel-Märkten in Eibenstock und Aue, ausgeschenkt wird es in einigen Gaststätten im Umkreis. Im April beim ersten Brauereifest auf dem Gelände an der Muldenhammer Straße war der Ansturm unerwartet groß. Jetzt haben sich die Eibenstocker einen Bierwagen gekauft und hergerichtet. Damit sind sie bei Festen unterwegs, zur Deutschen Meisterschaft im Enduro Downhill auf dem Rabenberg bei Breitenbrunn am 11. und 12. August sowie am 1. September beim Bier- und Ginfest in Chemnitz.

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