Für sie ist Bibliothekarin ein Beruf inmitten guter Freunde

Vor 20 Jahren hat Cordula Kirsch zusammen mit anderen ABM-Kräften die Lößnitzer Stadtbibliothek aufgebaut. Heute ist sie die Chefin und arbeitet an der Zukunft der Bibo.

Lößnitz.

12.053 Bücher und Zeitschriften stehen in den Regalen der Lößnitzer Stadtbibliothek, dazu 1518 Filme und 996 Hörbücher oder Musik-CDs. Cordula Kirsch (46) kennt diese Zahlen genau, sie sind sozusagen ihr täglich Brot. Sie ist die Chefin der Bibliothek und arbeitet mittlerweile seit 20 Jahren hier.

Damals war alles ein paar Nummern kleiner. "Beim Start hatten wir 4204 Bücher", erzählt Kirsch. "An meinem ersten Tag bekam ich den Schlüssel in die Hand gedrückt. Hier sind die Räume, da sind die Bücher, hieß es, machen Sie eine Bibliothek daraus." Die Vorarbeit hatten ABM-Kräfte geleistet, auch Cordula Kirsch begann ihre Tätigkeit über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Für die junge Bibliothekarin, die kurz zuvor aus Salzgitter nach Lößnitz gezogen war, war es die Chance, in ihren Traumberuf zu arbeiten.

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"In unserer Familie wurde viel gelesen", erzählt sie. "Wir saßen im Wohnzimmer, jeder hatte ein Buch in der Hand. Oft hieß es: Hört mal zu, was ich da gerade gelesen habe." Bücher sind für sie wie Freunde im Regal, sagt Cordula Kirsch. Ihr Wunsch, in einer Bibliothek zu arbeiten, sei entstanden, als sie zum ersten Mal eine solche besuchte und dort überall Leute herumsaßen und lasen. "Ich dachte, als Bibliothekarin liest du auch während der Arbeit. Inzwischen weiß ich natürlich, dass die Zeit dafür gar nicht da ist, höchstens für den Klappentext."

Aber wenigstens hat die Arbeit meistens mit Büchern zu tun. Die Lößnitzer Stadtbibliothek hat heute 885 aktive Nutzer, die sich im Vorjahr 43.277 Medien ausgeliehen und die insgesamt drei Bibliothekarinnen mit 3355 Fragen gelöchert haben. Zahlreiche Veranstaltungen werden organisiert. Bekannt ist die Bibliothek für ihren Buchsommer, bei dem Schüler in den Ferien die neuesten Schmöker als Erste lesen können. Wer mindestens drei Bücher schafft, bekommt an den Lößnitzer Schulen eine Eins im Fach Deutsch. Eine Kooperation mit der Kita "Knirpsenland" sorgt dafür, dass schon die Jüngsten ans Lesen herangeführt werden. "Wir möchten den Spaß am Lesen vermitteln, denn Lesen ist eine Schlüsselqualifikation fürs Lernen", sagt Cordula Kirsch. "Wenn ich nicht lese, lerne ich auch nicht."

Rund 95.000 Euro lässt sich die Stadt ihre Bibliothek jährlich kosten. Auf mehr Spaß in den Räumen im Bürgerhaus am Markt dürfen sich die Lößnitzer demnächst freuen. Im nächsten Jahr sollen die Räume renoviert und erweitert werden. 30 Quadratmeter Präsentationsfläche kommen hinzu. Barrierefreiheit soll dann großgeschrieben werden.

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