Gala in Aue ehrt ein Original

Manfred Blechschmidt, geboren 1923 in Bermsgrün, wäre im September 95 Jahre alt geworden. Dem Schriftsteller, der sich Traditionen und Mundart verschrieb, widmet "sein" Erzgebirgsensemble ein besonderes Programm.

Schwarzenberg/Aue.

Das Erzgebirgsensemble feiert seinen Gründer: Der Heimat- und Mundartschriftsteller Manfred Blechschmidt (1923-2015) aus Schwarzenberg wäre am 17. September 95 Jahre alt geworden. Diesem Ehrentag widmet die Volkskunstgruppe unter Leitung von Steffen Kindt eine große Gala - am 22. September. "Es hängt alles zusammen: Das Ensemble, Manfred Blechschmidt und ich, mithin unser Weg, den wir gemeinsam gegangen sind", so Kindt. Er trat 1989 Blechschmidts Nachfolge als Leiter des Erzgebirgsensembles an und gehörte zu dessen Vertrauten.

Blechschmidt wurde als Sohn eines Technikers geboren und war Waldarbeiter, ehe er im Zweiten Weltkrieg zur Wehrmacht eingezogen wurde. 1945 geriet er in US-amerikanische Gefangenschaft, wurde nach seiner Entlassung von sowjetischen Soldaten aufgegriffen, die ihn inhaftierten. So kehrte er erst 1946 heim. Es folgten Heirat und der Aufstieg zum Revierförster. Später war er Direktor der Volkshochschule Aue und Fachlehrer für Biologie.

Rasten? Nicht seine Art. Unter anderem besuchte er die Pädagogische Hochschule in Erfurt. Und engagierte sich im Kulturbund der DDR, bemühte sich stets und intensiv um neue, zeitgemäße Dichtungen und Lieder in Mundart - auch im Sinne des sozialistischen Gedankens, was ihm durchaus Kritik einbrachte. Er verschrieb auch das Wirken des Erzgebirgsensembles der Pflege "fortschrittlicher Traditionen des erzgebirgischen Brauchtums". Zeitgemäße, sozialistische Heimatliebe leben, statt an veralteter Heimattümelei festhalten - so könnte sein Credo gelautet haben. Er erhielt viele Auszeichnungen und war ab 1984 als freischaffender Schriftsteller tätig. Mehr als 60 Bücher tragen seine Handschrift, viele davon in erzgebirgischer Mundart.

Es gäbe noch viel über Blechschmidt zu sagen. Doch auch Kindt hat das Problem, sich kurz fassen zu müssen für die Gala - ohne Wesentliches auszusparen. "Er hat große Verdienste mit Blick auf die Pflege von Brauchtum und Mundart." Aber auch Blechschmidt sei immer ein Mensch seiner Zeit, der jeweiligen Epoche gewesen. "Das muss man im Lebenslauf berücksichtigen."

Das vielschichtige und rege Wirken des Schriftstellers, der zuletzt in Erla lebte, packen Kindt und seine Ensemble-Mitglieder in einen Teil der Reihe "Die große Gala der erzgebirgischen Originale". Nicht nur Blechschmidt, auch das Erzgebirgsensemble rückt in den Fokus. Die Formation feiert ihr 55-jähriges Bestehen. Und steht Tag für Tag vor der Herausforderung, nicht altbacken zu werden im Bewahren der Traditionen - fast eine Parallele zum Anliegen von Blechschmidt, die Volkskunst nicht abstumpfen zu lassen, sondern zeitgemäß zu betreiben.

Auf Lieder und Texte, Gesang und Tanz, den Klang Russischer Hörner und auf Mundart darf sich das Publikum am 22. September ab 14.30 Uhr im Auer Kulturhaus freuen. Zeitzeugen und Weggefährten im Interview haben manche Episode parat. Kindt: "Es wird abwechs- lungsreich."

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