Gasthof trägt Szene des Prinzenraubes an der Fassade

Lüftlmalerei ziert Fassaden vieler Häuser im Erzgebirge. "Freie Presse" erzählt die Geschichte dahinter. Heute: Familie Loos aus Waschleithe.

Waschleithe.

Die Wirtsleute von Haus Fürstenberg in Waschleithe, Bettina und Michael Loos, haben ein Faible für Lüftlmalerei. Nicht nur an der Außenfassade, sondern vor allem im Innenraum stechen die fein gemalten und detailreichen Bilder ins Auge. Während in den Innenräumen Forst- und Waldmotive dominieren, zieht an der Außenfassade der Prinzenraub die Blicke auf sich.

Schöpfer sämtlicher Werke ist Matthias Nestler aus Geyer, der bis heute mindestens einmal im Monat bei den Waschleithern einkehrt. "Los ging es Mitte der 1990er Jahre mit der Malerei innen", sagt Michael Loos. Ihm sei immer die Waldschänke in Geyer aufgefallen, die sehr üppig mit Lüftlbildern verziert ist. "Außerdem sieht man so etwas ja ganz häufig in den Bergen in Österreich." Gefallen habe ihm das immer und so suchte auch Loos den Kontakt zu Matthias Nestler.

Die Bilder im Innenbereich stoßen bei den Gästen von Haus Fürstenberg immer auf großes Interesse. "Er hat sehr gut gearbeitet, bestätigen alte Bauern immer wieder", sagt Loos. Demnach stimmen selbst die Länge und die Anzahl der Ketten an den Pferdegespannen, die Nestler in den Bildern festgehalten hat. Ein Detail im Innern der Gaststätte freut Ehepaar Loos noch heute ganz besonders und erinnert sie an längst vergangene Zeiten. Der Familienhund Rex - ein Jagdterrier - springt auf dem Bild freudig einem Waldarbeiter entgegen. "Er musste mit drauf. Ansonsten haben wir uns auf die Entwürfe von Matthias Nestler verlassen", so Michael Loos. Rex ist längst über die Regenbogenbrücke gegangen, doch sein Bild lässt ihn bis heute bei der Familie sein.

Der Prinzenraub an der Außenfassade sei um die Jahrtausendwende mit der Airbrush-Technik entstanden, berichtet Michael Loos. Die Außenfassade war für den Künstler eine Herausforderung. "Sie besteht aus beschichtetem Alublech", erklärt Bettina Loos. Ihr Mann Michael ergänzt: "Da musste erst Haftgrund drauf, dann kam das eigentliche Bild und zum Schluss Schutzlack darüber."

Das Motiv spiegelt die Geschichtsverbundenheit des Ehepaares Loos wider. "Der Prinzenraub hat ja schließlich auf dieser Flur, also am Fürstenberg, stattgefunden. Dort wurde der zweite Prinz aus den Fängen des Ritters Kunz von Kauffungen befreit." Das Lüftlbild zeigt übrigens das Happyend des Entführungsversuchs. Der Fürst auf dem Ross schließt seine beiden Prinzen Albrecht und Ernst glücklich in die Arme. Ein Nachfahre der Prinzen, Dr. Albert Prinz von Sachsen, Herzog von Sachsen, weilte übrigens 1993 im Haus Fürstenberg.

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