Geburtstagskonzert mit steppenden Krachmachern

Zehn Jahre gibt es das große Musikschulorchester Auer Sinfoniker schon. Das wurde mit einem Festkonzert und einer Stepptanzgruppe aus Schwarzenberg gefeiert. Die Begeisterung riesig.

Aue/Schwarzenberg.

Man kann das nur bewundern: So ein großes Orchester mit 70 Musikern wie die Auer Sinfoniker spielfähig zu halten, ist ein endloser logistischer und künstlerischer Kraftakt. Und so viel Publikum wie beim Zehnjährigen sah das Kulturhaus Aue selten. Denn alle wissen: Bei den Sinfonikern stimmt die Qualität.

"Begonnen haben die Auer Sinfoniker vor zehn Jahren mit ganzen fünf Geigen und einem Kontrabass", berichtete Moderator und Orchesterleiter Rico Reinwarth den Gästen. Das Wort "Laien-Orchester" höre er nicht gern, denn Laien könnten nicht viel. Deshalb sei der Begriff "Liebhaberorchester" besser.


Ihre Premiere beim Geburtstagskonzert der Auer Sinfoniker am Samstag feierte die Stepptanzgruppe "Die Krachmacher" aus Schwarzenberg. Bei der Probe vor dem Konzert, als drei Tanzflächen auf der Bühne gelegt und ausgerichtet waren, zeigte sich jedoch, dass die Damen mit den Glitzer-Hüten mehr als nur Krach machen. Die Leiterin, Musikerin und Eventgestalterin Luise Egermann aus Grünhain-Beierfeld sagt zum Entstehen der Gruppe: "Das war ein Projekt zur silbernen Hochzeit meiner Eltern. Ich wollte an diesem Abend etwas Besonderes bieten. Nach meinem Studium bin ich in meine Heimat zurückgekommen und habe mich gefragt, ob man das hier nicht etablieren könnte. Wir bestehen inzwischen acht Jahre." Die vielseitige Luise Egermann singt, komponiert und spielt bei den Auer Sinfonikern Kontrabass.

Auch für die zehn "Auer Saxophoniker" war das Konzert ein Debüt. Deren Leitung liegt in Händen von Ronny Wiese, einem Musiker der Erzgebirgischen Philharmonie. Von ihnen ist noch manches zu erwarten, denn der sonore Klang dieser Formation lässt jeden die Ohren spitzen. Der knallbunte Mix der Auer Sinfoniker reichte vom Haydn-Klavierkonzert über die Filmmusik zu "James Bond 007" bis zur Operette. Die beiden echten Sekretärinnen Lisa Dittrich und Yvonne Berger sangen mit Schmiss "Männer, Männer, Männer" aus der Operette "Trauminsel" von Robert Stolz. Diese quirligen Sekretärinnen waren erstmals im November 2018 in Schneeberg zu erleben.

Jedes Sinfonieorchester hat eine Konzertmeisterin. Diese Erste Geige heißt bei den Auer Sinfonikern Luisa Dittrich. "Etwa fünf Jahre bin ich in dieser Position", gab sie vor dem Konzert Auskunft. "Es wäre schön, wenn ich Berufsmusikerin werden könnte. Wenn nicht, bleibt es Hobby. Besonders schätze ich David Garrett." Die besondere Funktion als Konzertmeisterin beschrieb sie so: "Ich komme als Erste raus auf die Bühne, und alle anderen folgen mir." So ändern sich die Zeiten: Früher waren für diese stolze Erste Hauptrolle alte Männer zuständig.

Ohne gute Lehrer läuft nichts. Meister-Hornist Gert Heimpold aus Schwarzenberg, einst Mitglied des MDR-Sinfonie-Orchesters, hat inzwischen fünf Horn-Schüler. "Aber die sind noch nicht flügge für das Orchester", sagt er.

28 Musiknummern gingen über die Bühne. Dass Modest Mussorgskis Orchesterwerk "Bilder einer Ausstellung" auch in der Originalfassung auf dem Klavier monumentale Wirkung entfalten kann, bewies Maximillian Ullmann. Und immer wieder stehen Filmmusiken im Zentrum der Konzerte der Auer Sinfoniker. Den Breitwandsound dieser auf pathetische Wucht konzipierten Musiken brachte das große Orchester immer wieder mit Glockenspiel und schneidigen Blechbläsern zu mitreißender Wirkung.

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