Geheimniskrämerei im Poppenwald

Nach vielen Jahren ist im Schatzwald bei Wildbach wieder gegraben worden. Die Aktion wurde streng geheim gehalten - aus Angst vor Schaulustigen.

Wildbach.

Einen Spaten und zwei Stunden Zeit wollte der Zeitzeuge haben, um den Schatz zu heben. "Dann grab ich euch das Depot aus", hatte er gesagt. Ungefähr 15 Jahre ist das jetzt her. Der Leipziger Privatdetektiv Dietmar Reimann (†2011), der damals Herr über die Grabungen im Poppenwald war, ging nicht darauf ein, und so blieb das Geheimnis unangetastet. Bis vor drei Wochen, als die Wissenschaftliche Arbeitsgruppe Poppenwald die Örtlichkeit unter die Lupe nahm. Ihr standen ein Bagger und ein ganzer Samstag zur Verfügung, aber nach wenigen Stunden war alles vorbei.

"Das Gerede von einem Depot an dieser Stelle war nichts als heiße Luft, schade um die Zeit", sagt Norbert Conrad, der den Einsatz organisiert hatte. Auch an einer zweiten Stelle blieben die Grabungen erfolglos. Dort hatte der Zeitzeuge, Theodor Erdmann (†2008) aus Rostock, im Frühjahr 1945 angeblich ein Erddepot gesehen, das mit einer Stahlplatte abgedeckt war. Erdmann will als Soldat dabei gewesen sein, als im Poppenwald Kunstschätze, unter ihnen vielleicht sogar Teile des verschollenen Bernsteinzimmers, versteckt worden sind. Dem Misserfolg der Grabung vermag Conrad zumindest etwas Positives abzugewinnen: "Es ging um den Ausschluss von Hinweisen. Hier können wir jetzt einen Strich darunterziehen."


Die Wissenschaftliche Arbeitsgruppe Poppenwald wurde vor sechs Jahren gegründet, um das Vakuum zu füllen, das nach dem Tod des Bernsteinzimmerjägers Reimann geblieben war: viele offene Fragen, noch mehr Spekulationen. Die Gruppe wollte Antworten liefern und für Transparenz sorgen.

Doch schon die erste offizielle Grabung lief unter strikter Geheimhaltung ab. Der Termin des Arbeitseinsatzes vor drei Wochen war selbst den meisten Gruppenmitgliedern unbekannt. "Der Kreis der Eingeweihten wird immer kleiner", sagte ein Mitglied der "Freien Presse".

"Wir haben uns entschlossen, nicht alle Mitglieder zu informieren", bestätigt Norbert Conrad. Bad Schlemas Bürgermeister Jens Müller (Freie Wähler), welcher der Gruppe vorsitzt, begründet die Geheimhaltung so: "Wir hatten Sorge, dass es einen großen Auflauf gibt. Wir wollten die Öffentlichkeit außen vor lassen. So war es mit der Kirche vereinbart." Die Nicolaikirchgemeinde Zwickau ist die Eigentümerin des Waldes. Ohne ihre Zustimmung sind keine Grabungen möglich.

Eine für Ende September geplante Suchaktion war geplatzt, weil sich der Termin in der Schatzsucherszene herumgesprochen hatte. Statt Zuschauer zu riskieren, wurde der Einsatz verschoben - und vier Wochen später in vorweihnachtlicher Heimlichkeit neu angesetzt. Die Arbeitsgruppenmitglieder sollen im Januar informiert werden, sagt Müller.

Er wird dann erklären müssen, wieso zwar viele Mitglieder ausgeschlossen wurden, aber der Schatzsucher Wilfried Schober aus Mecklenburg zugegen war. Schober will die alten Bohrlöcher am sogenannten Reimann-Felsen noch einmal öffnen. Stattdessen beobachtete er die Suche nach den Erdmann-Depots. Schober ist im Besitz von Aufzeichnungen des alten Soldaten, die dieser ihm vor seinem Tod hinterlassen hat. Zur "Freien Presse" sagte Schober, er habe von dem Einsatz gewusst, sei aber nicht vor Ort gewesen. Zeugen haben ihn jedoch im Poppenwald gesehen. Dort bleibt Geheimes niemals lange geheim.

Alexander Burkel, ein früherer Mitstreiter des Bernsteinzimmerjägers Reimann, kritisiert die Heimlichtuerei. "Ich halte das für völlig daneben. Heute gibt es sogar zwischen Leuten, die damals eng mit Reimann zusammengearbeitet haben, tiefe Gräben. Ich habe nicht den Eindruck, dass es noch darum geht, die offenen Rätsel zu lösen."

Burkel wäre gerne bei der Grabung im Poppenwald dabei gewesen, um eine von ihm favorisierte Stelle zu zeigen, an der er den Zugang zu einem getarnten Stollen vermutet. "Sie hätten da ihren Bagger ansetzen können. Das wäre eine Sache von 20 Minuten gewesen", sagt er. "So lange hier jeder für sich wurschtelt, wird nichts aufgeklärt."

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