Geht die Justiz zu mild mit jugendlichen Straftätern um?

Ein Urteil in Aue rückt eine Frage in den Blick, die immer wieder kontrovers diskutiert wird. Nein, sagt eine Expertin. Beim Jugendstrafrecht gehe es gar nicht um Strafe.

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7Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 5
    1
    Deluxe
    09.07.2020

    Die Generation der 68er ist mittlerweile in einem Alter, wo sie Groß- und teilweise sogar schon Urgroßeltern sind.

    Das heißt, wir haben mittlerweile zwei komplett sozialisierte und erwachsene Generationen, die von diesen Leuten und den damit verbundenen Ideologien erzogen wurden. Beruflich etabliert in Politik, Gesellschaft, akademischem und schulischem Umfeld. Teile davon sehen wir hier in dieser Diskussion.
    Aber auch nebenan in der Debatte um Kindererziehung oder die Gender-Sprachregelungen der sächsischen Justizministerin.

    Wohin man schaut, entwickelt sich aus dieser falschen Ideologie eine gesellschaftliche Katastrophe nach der anderen. Die Jugendgerichtsbarkeit in unserem Land ist meiner Meinung nach auch eine Folge dieser Lehren.

    Und es fragt sich, was seitdem für unser Land und Europa besser geworden ist.

  • 6
    1
    klapa
    08.07.2020

    `Geht die Justiz zu mild mit jugendlichen Straftätern um?'

    Eindeutige Antwort - ja!

  • 7
    2
    Nixnuzz
    08.07.2020

    "..Fortschritte in der Hirnforschung untermauern das. Manche Hirnareale reifen demnach erst bis Anfang oder bis Ende 20. Bis dahin können Menschen die Folgen ihres Handelns nicht immer sofort absehen, sagt Pruin: --" Zum einen: Wie passt dann ein Wahlalter von 16 in diese Philosophie? Zum 2. ein wenig geordneter Staatsdienst ab 18 - auch in Einheitsklamotten? Weg von der Strasse und Anleitungen für sozial-abhängiges Handeln. Wieviel Mummpitz kann eine soziale verstädterte Gesellschaft zwecks Hörnerabstossen aushalten? Welche Clan-, Sippen- oder Strassenstrukturen übernehmen die friedfertige Sozialisierung? Kann dem "Elfenbeinturm" nur zustimmen....

  • 10
    2
    KTreppil
    07.07.2020

    Das junge Menschen sich ausprobieren und ihre "Impulskontrolle noch nicht komplett entwickelt ist" sollte spätestens bei Gewaltdelikten keine Entschuldigung sein. Hier sollte das Jugendstrafrecht anders als jetzt gestaltet werden bzw. Erwachsenen Strafrecht Anwendung finden. In Fällen von den sogenannten Ehrenmorden ist es ja sogar vorgekommen, dass Jugendliche wegen unseres milden Jugendstrafrecht sozusagen als Haupttäter "vorgeschoben" wurden. Da wurde schnell erkannt, wie es laufen muss. Ich glaube auch nicht, dass die Akteure im Auer Falle sich ihrer Chancen bewusst sind, die ihnen gelassen wurden und beim nächsten Streit weniger aggressiv sein werden. Ich hoffe nur, sie lachen sich nicht kaputt über unsere Gerichtsbarkeit und unsere Diskussionen...

  • 12
    4
    Malleo
    07.07.2020

    Wer selbst keine Grenzen kennt, muss sie aufgezeigt bekommen.
    Die sinnfreien akademischen Betrachtungen sind eine Vehöhnung der Opfer.

  • 16
    3
    Christian1984
    07.07.2020

    Wenn ich die Aussagen von Prof. Pruin lese, wundert mich eigentlich nichts mehr. Zitat: "Wir wissen, dass es im Jugendalter total normal ist, sich auszuprobieren." Der Frau Professor ist der Fall in Aue nicht bekannt, geschenkt. Aber mein Gegenüber mit dem Messer lebensgefährlich zu verletzen dürfte wohl kaum unter "sich ausprobieren" laufen.
    Mit Verlaub, dass sind Aussagen aus dem akademischen Elfenbeinturm, mehr nicht!
    Prävention fängt meiner Meinung nach auch damit an, Gewalttäter so wegzusperren, dass diese eine Weile nicht mehr auf die Bevölkerung los gehen können! Was spricht denn bitte gegen eine Therapie im geschlossenen Vollzug?
    Dann noch diese Aussage: "Den Opfern der Straftaten, hat sie beobachtet, sei eine strenge Strafe gar nicht das Wichtigste."
    Ach wirklich? Dann verweise ich auf den FP-Artikel "Urteil zu Messerangriff in Aue löst Kontroverse aus" vom 02.07.20.: "Horst Dippel, der Stiefvater des Opfers Mike Weller, bezeichnete das Urteil in einer ersten Reaktion als "nicht ausreichend"."
    Vielleicht nicht das allerwichtigste aber so irrelevant, wie die Frau Professor tut, ist das Strafmaß für das Opfer nicht.
    Wo bitte ist bei diesem Urteil die Gerechtigkeit? Warum wird alles für den Täter getan, aber das Opfer spielt nur eine untergeordnete Rolle?
    Wenn unsere Rechtsprechung nur die Zukunftsperspektiven der Straftäter berücksichtigt, warum dann überhaupt noch das Strafrecht anwenden? Ob die Absolution nach oder bereits vor der Tat ausgesprochen wird, spielt hier scheinbar keine Rolle mehr, oder?

  • 16
    4
    Lesemuffel
    07.07.2020

    Viel Wissenschaft, nichts hilfreiches Konkretes, zum Beispiel zu Straftaten mit religiösen Hintergründen, die erst in neuerer Zeit um sich greifen. Es lohnt sich dazu mal "Das Ende der Geduld" konsequent gegen jugendliche Gewalttäter von Kirsten Heisig (Herder 2010) zu lesen. Leider hat sich seitdem nichts verbessert, das Gegenteil ist der Fall. Die beschriebene Lage in Berlin breitet sich seitdem übers Land aus. Die wissenschaftlichen Beschwichtigungen bestärken nur noch Politik/Justiz den verhängnisvollen Weg weiterzugehen.