Gewaltopfer: Frauenrat übt Kritik am Landkreis

Notrufnummer für Kontakt zu Experten nur bei Behörden hinterlegt

Aue/Schwarzenberg.

Der Landesfrauenrat sieht den Umgang mit Opfern häuslicher Gewalt im Erzgebirgskreis weiter kritisch. Zwar sei es erfreulich, dass die Verwaltung beauftragt wurde, die Lage der Schutz suchenden Frauen mit ihren Kindern zu verbessern. So ist seit dem 1. September die erste von zwei Schutzwohnungen bezugsfertig, doch habe man den Eindruck, dass damit "kein niederschwelliges Angebot" installiert werden soll.

So kritisiert der Landesfrauenrat, dass keine wirkliche Notrufnummer existiere, sondern zunächst immer Polizei, Rettungsleitstelle oder die Kreisbehörde eingeschaltet werden muss. "Klar gibt es eine Notrufnummer", so der zuständige Abteilungsleiter Frank Reißmann in einem "Freie Presse"-Interview. Allerdings habe man diese bewusst in den Behörden hinterlegt, um über das Diensthabendensystem sofort die richtige Hilfe organisieren zu können. "Das Opfer muss dann aber zwei Telefonate führen, sich zweimal fremden Menschen öffnen", sagt Susanne Köhler, Vorsitzende des Landesfrauenrates. Dies sei alles andere als ein niederschwelliges Angebot. "Beim Erstkontakt reicht es, kurz das Problem zu schildern", erläutert Reißmann. Das Verfahren, so bemängelte die Landesfrauenratschefin, bedeute jedoch gegebenenfalls, dass die Polizei von einer Straftat Kenntnis erhalte und weiter ermitteln muss - "ohne dass dies von der Frau gewünscht wäre". "Wir reden hier über schwere Fälle. Und häusliche Gewalt sollte sofort verfolgt werden", so Reißmann.


Im Grundsatz positiv hat sich die Kreis-SPD zu den neuen Frauenschutzeinrichtungen im Erzgebirgskreis geäußert. Wichtig sei es aber nun, für ausreichend Plätze zu sorgen. "Bisher überzeugen mich die zwei kleinen Wohnungen nicht", so Kreisvorsitzende Simone Lang. Wie Reißmann im Februar in einer Sitzung informierte, können in den Wohnungen je drei bis vier Frauen mit Kindern unterkommen. Lang forderte zudem den Ausbau der Strukturen, die Frauen Beratung anbietet, bevor es zu einer akuten Situation kommt.

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