Goethehaus: Bau sorgt für Überraschung

Dort, wo einst Goethe mit seiner Begleiterin abstieg, sollen bald wieder Gäste übernachten. Ein Großvermieter rettet jetzt das Gebäude am Markt 29 in Schneeberg. Dabei gibt es einen wertvollen Fund.

Schneeberg.

Wo einst Johann Wolfgang von Goethe mit seiner engen Begleiterin Charlotte von Stein übernachtete, dreht sich derzeit der Bagger. Nach über 25 Jahren Leerstand rettet die Wohnungsbaugesellschaft (WBG) Bergstadt Schneeberg ein wichtiges historisches Objekt der Stadt: das Haus am Markt 29. Zuletzt drohte das Gebäude, das vielen Bürgern nicht nur als Goethehaus, sondern auch als ehemalige Bibliothek bekannt ist, einzustürzen. Dabei wäre fast auch eine historische Deckenmalerei für immer verschwunden.

Zufällig entdeckten Bauarbeiten bei der Sanierung Decken- und Stuckverzierungen. "Aufgrund des schlechten Bauzustandes entschieden wir uns, das Gewölbe im Erdgeschoss zu entfernen, darunter kam die Malerei zum Vorschein", erklärt Peter Stimpel, der Chef der WBG. Das war nicht nur eine riesige Überraschung, sondern auch ein Glücksfall für den Denkmalschutz, denn die Decke zeigt die ursprüngliche Gestaltung des Hauses, das nach dem großen Stadtbrand 1719 gebaut wurde. "Ob Goethe diese Decke bei seinem Besuch gesehen hat, ist allerdings nicht belegt."

Dagegen sicher ist, dass der Dichterfürst zwischen dem 14. und dem 18. August 1786 in dem ehemaligen "Gasthof Zum Goldenen Ring" am Markt gewohnt hat. Goethe war nicht zufällig in Schneeberg abgestiegen. Als Bergbauminister nutzte er den Aufenthalt, um sich mit der aktuellen Technologie des Bergbaus vertraut zu machen. Sogar ein Gedicht soll Goethe geschrieben haben, nachdem er den Kirchenturm von St. Wolfgang bestiegen hatte. Nach seinem Besuch brach er zu seiner bekannten Italienreise auf.

Doch zurück nach Schneeberg: Dort soll mit modernster Technik die ursprüngliche Gestaltung der Decke rekonstruiert werden. "Das werden wir auf jeden Fall so machen, denn der Deckenputz konnte nicht gerettet werden", so Stimpel.

Die Bauarbeiten gestalteten sich dabei deutlich schwieriger als gedacht. "Die Wände des Gebäudes waren schon mehrere Zentimeter nach außen gedrückt", so der WBG-Chef. Grund dafür war eine schwere Betondecke, die der vorherige Eigentümer in das Hauses einziehen ließ. Doch der Investor aus der Schneeberger Partnerstadt Herten in Nordrhein-Westfalen gab die Sanierung vorzeitig auf. Grund war ein Streit um eine Zuwegung. Erst nach seinem Tod verkaufte die Witwe das Haus 2017 an die Stadt, die es an die WBG weitergab.

"Wir wollen 2,4 Millionen Euro in das historische Gebäude investieren. Dort soll eine Gaststätte mit 46Plätzen und mit sieben Fremdenverkehrszimmern entstehen", so Stimpel. Rund 70 Prozent der Kosten könnte der Denkmalschutz übernehmen. Auch eine 90 Quadratmeter große Wohnung für den Betreiber wird gebaut. "Ein Schneeberger Gastronom will das Objekt übernehmen", freut sich der WBG-Chef. An dem Konzept, also in welche kulinarische Richtung es geht, werde gerade gearbeitet.

Wer sich derzeit in dem Gebäude umschaut, benötigt dafür aber noch einiges an Fantasie. Denn eigentlich stehen nur noch die Wände und die waren einsturzgefährdet. "Wir haben sie mit Stahlspindeln an der Betondecke befestigt. Damit konnte der Prozess rückgängig gemacht werden", erläutert Peter Stimpel, der mit der WBG schon einige historische Gebäude in Schneeberg, wie die Geitnervilla, gerettet hat. Ursprünglich war geplant, dass das Gebäude zum Jahresende fertig wird. "Ich hoffe, dass wir im ersten Quartal 2020 die Arbeiten abschließen werden", sagt Stimpel. Doch das Warten dürfte sich lohnen. Denn der ehemalige Gasthof ist nicht nur wegen seines prominenten Gastes rettenswert. Er ist auch ein Bestandteil der barocken Marktbebauung mit ortsbildprägender Bedeutung.

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