Großvermieter plant Abriss von mehreren Wohnhäusern

Die Gebäudeverwaltung in Bad Schlema steckt mit einem Millionenbetrag in den Miesen. Für einen Schuldenschnitt müssen nun drei Gebäude an der Bundesstraße weichen. Das ist umstritten - und doch nur der Anfang.

Bad Schlema.

In den kommenden Jahren sollen 200 von 950 Wohnungen der Gebäude- und Wohnungsverwaltung Schlema wegfallen. Das sieht eine Vereinbarung des Großvermieters mit der Sächsischen Aufbaubank, kurz SAB, vor. Jetzt stehen die ersten Gebäude fest, die abgerissen werden. Es sind drei Gebäude mit 57 Wohnungen am Rande der B 169 - konkret an der Hohen Straße 30/32, 34/36 sowie an der Gleesbergstraße 5/6. Alle drei sind bereits leergezogen worden; wohl im Sommer sollen sie weichen.

Den Rückbau von Wohnungen hatte die SAB 2017 zur Bedingung gemacht, um dem kommunalen Unternehmen im Gegenzug Schulden in Höhe von rund 2,3 Millionen Euro zu erlassen. Die freistehenden Flächen könnten laut Stadtverwaltung später als Eigenheimstandorte genutzt werden. Findet sich kein Bau-Interessent, bleibt es vorerst bei einer grünen Wiese.

Die Kosten für den Abriss der drei Gebäude beziffert man im Rathaus auf rund 331.000 Euro, wobei die Kommune 82.000 Euro als Zuschuss zahlt. Den Rest finanziert die Gebäudeverwaltung unter anderem mit Fördermitteln. Und weitere Abrissvorhaben sind in Sicht: "An der Auer Talstraße müssen in absehbarer Zeit zwei Wohngebäude weg. Ein drittes Haus versuchen wir zu erhalten, weil die Substanz gut ist", sagt Geschäftsführerin Katrin Dörfelt.

Die Gebäudeverwaltung saß bis vor kurzem auf einem Schuldenberg von 19 Millionen Euro - Ende der 1990er-Jahre waren es sogar 40 Millionen Euro. "Ein großer Teil der Mieteinnahmen geht für den Kapitaldienst drauf", sagt Dörfelt. Geld, das an anderer Stelle fehlt, etwa für Sanierungsarbeiten. Seit dem Schuldenschnitt summieren sich die Verbindlichkeiten aktuell auf rund 16 Millionen Euro.

Obwohl die Leerstandsquote derzeit bei 26 Prozent liegt und ungenutzte Wohnungen den Vermieter mehrere hunderttausend Euro pro Jahr kosten, ist der Abriss der Wohnhäuser an der Bundesstraße nicht unumstritten. Sorge bereitet einigen der Lärmschutz. Fallen die Häuser, müsse nämlich damit gerechnet werden, dass sich der Schall von der Straße aus weiter in das streng vor Lärm geschützten Kurzentrum ausbreitet. Das mahnte in der jüngsten Stadtratssitzung etwa Steffen Barth ("Wir sind Aue-Bad Schlema") an. Mit Blick auf den Kurort-Titel sagte Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU): "Man wird sehen müssen, wie man die Auflagen erfüllt."

In den vergangenen Jahren war bereits darüber diskutiert worden, auf der zum Kurzentrum zugewandten Seite der Bundesstraße eine Lärmschutzanlage zu installieren. Anwohner der anderen, der Gleesbergseite sahen sich davon aber benachteiligt.


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