Gruft nach 85 Jahren erstmals wieder zugänglich

Die letzte Ruhestätte der Unternehmerfamilie Querfurth in Schönheide erlebt einen Besucheransturm - Ansporn für einen Verein.

Schönheide.

85 Jahre nach der letzten Beisetzung war die Querfurth-Gruft auf dem alten Schönheider Friedhof gestern erstmals wieder zugänglich. Fast 400 Mutige und Wissbegierige schauten sich zum gestrigen Tag des offenen Denkmals in dem unterirdischen Gewölbe um.

Möglich wurde dies erst durch den örtlichen Förderverein historischer Bauwerke. Die 25-köpfige Interessengemeinschaft hatte den geschichtsträchtigen Bau 2003 vor dem Abriss bewahrt. "Architektonisch und kulturhistorisch ist dieser kleine Tempel unbedingt erhaltenswert", erklärt Vereinschef Thomas Heine. Es ist die letzte Ruhestätte für eine Frau und vier Männer aus der Unternehmerfamilie Querfurth. Sie wurden zwischen 1901 rund 1931 hier beigesetzt: Ihre Holzsärge legte man dafür in kunstvoll gestaltete Sarkophage aus Zink. Heine: "Beim Hochwasser 2002 hielten sie selbst einer Überschwemmung stand, trieben dabei aber zeitweise im Gemäuer umher!" Deshalb habe man sie vor 13 Jahren auch querstehend vorgefunden. Damals musste man die Katakomben zunächst von wildem Pflanzenbewuchs und Bauschutt beräumen und notsichern.

Platz für die Beisetzung weitere Familienmitglieder sei noch vorhanden gewesen. Der Vereinschef: "Nach Kriegsende wurden die Querfurths aber enteignet und vertrieben, ihre Gruft wurde nicht mehr gepflegt." 1826 hatte der königlich-sächsische Rittmeister Karl Edler von Querfurth das nahe Hammerwerk gekauft. Es wurde über Generationen hinweg vererbt. 1905 erbaute man schließlich die Familien-Ruhestätte im Jugendstil. 1931 wurde sie letztmals benutzt. Um 1950 hauste dort zeitweise eine Räuberbande, in den 1970er-Jahren bestanden die Kinder aus der unmittelbaren der Nachbarschaft darin manche "Mutprobe", 1985 entwendeten Diebe wertvolle Grab-Beigaben.

Der Verein will nun das acht Meter lange, sieben Meter breite und drei Meter hohe Rundbogengewölbe mit kleinem Andachtsraum und dem kuppelartigen Oberbau für die Nachwelt bewahren. Ein Prunkbau soll aber nicht daraus werden. Gleiches gelte für die alte Friedhofskapelle, die bis 1995 ihren Dienst tat. Um deren Entrümpelung, Erhaltung und Wiedereröffnung hatte sich Christian Leistner, im Auftrag der Kirchgemeinde gekümmert. Auch sie wurde gestern regelrecht gestürmt.

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