Halb Azubi, halb Chef: Junge Erzgebirger betreiben Imbiss

Mitten in Bad Schlema gibt es jetzt ein neues gastronomisches Angebot. Erfunden hat es die Kurgesellschaft, doch geführt wird es von den Lehrlingen allein. Der Betrieb bezweckt damit zweierlei Dinge.

Bad Schlema.

Bockwurst, Knacker und Co. - das alles gibt es im Kurzentrum von Bad Schlema nun auf die Hand. Direkt vorm Kurhotel, nur einen Steinwurf vom Musikbrunnen entfernt, hat vor wenigen Wochen die erste Imbissbude in der Gemeinde eröffnet.

Neben Würstchen stehen hier unter anderem Leberkäse, frischer Salat, Nudeln und Eis auf der Speisekarte, dazu Getränke und wechselnde Gerichte wie Eintöpfe. Die Preise: zwischen 1 und 3,50 Euro. Zubereitet und serviert werden die Speisen von den Auszubildenden der Kurgesellschaft Schlema. Doch das ist bei Weitem noch nicht alles. Die jungen Leute kalkulieren auch die Preise selbst, entwickeln das Angebot weiter, bestellen die Waren. Und sie tüfteln coronabedingt am Hygienekonzept. Sprich: Sie schmeißen den Imbiss im Alleingang.

"Am Anfang musste man sich reinfinden, da hat mal ein Brötchen, mal der Kaffee gefehlt. Aber jetzt macht es richtig Spaß", berichtet Sarah Schulz (23). Die Eibenstockerin absolviert bei der Kurgesellschaft eine Ausbildung zur Köchin, arbeitet im Kurhotel. Nebenbei führt sie nun den Imbiss - gemeinsam mit fünf weiteren Azubis. Geöffnet ist die Verkaufsbude Montag bis Freitag in der Zeit von 10 bis 14 Uhr.

Die Nachfrage ist groß. Vor allem Montag bis Donnerstag kämen viele Gäste, manchmal bis zu 40 am Tag, berichtet Sarah Schulz. Darunter seien viele Leute, die ins benachbarte Ärztehaus unterwegs sind oder von dort kommen. Auch einige Hotelgäste schauten vorbei. Kürzlich sei man sogar fast "überrannt" worden, als nebenan an zwei Stellen Bauarbeiter werkelten. Denn auch sie wollten plötzlich einen Mittagssnack. Vor allem eine Speise sei dabei beliebt: Nudeln. "Die laufen besonders gut", erzählt Yulia Klecha aus Lauter, die ebenfalls mit im Imbiss steht und den Beruf Hotelfachfrau lernt. Ihre Erklärung dafür: "Sie schmecken eben."

In der Verkaufsbude - die sich der Kurbetrieb von der Stadtverwaltung ausgeliehen hat - steht in der Regel ein Azubi allein und bringt Waren an die Frau oder den Mann. Ein anderer, der Spätdienst hat, bereitet abends alles vor, kocht beispielsweise die Eintöpfe. Gewechselt wird jede Woche. Heißt also: Nicht jeder der jungen Leute ist jeden Tag mit dem Imbiss beschäftigt. Fürs Lernen und für die normale Ausbildungsarbeit bleibt ausreichend Zeit. Kommt es mal zu Unstimmigkeiten, klärt das die Gruppe untereinander. "Und am Ende entscheidet dann die Mehrheit", so Sarah Schulz.

Halb Azubi, halb Chef - was hat es mit dieser besonderen Konstellation auf sich? Ausgedacht hat sie sich die Kurgesellschaft. Laut Nicole Sabrowsky, Leiterin des Restaurants "2000Acht" im Kurhotel und eine der Ausbilderinnen, wollte man so zum einen nach der coronabedingten Zwangspause das Mittagsgeschäft wieder ankurbeln. Zum anderen war vor einiger Zeit der Azubitag weggefallen, an dem der Nachwuchs einmal im Jahr eine Tanzveranstaltung planen musste. Ein Projekt, das das selbstständige Lernen fördern sollte. Mit dem Imbiss kehrt der Azubitag nun zurück, allerdings in veränderter Form. Sabrowsky dazu: "Wir wollen Teamfähigkeit und Kreativität schulen und ihnen eine verantwortungsbewusste Arbeitsweise vermitteln." Erfahrene Mitarbeiter würden die jungen Leute im Imbiss unterstützen, sie etwa beim Einkauf oder bei der Preiskalkulation beraten. Im Herbst wollen die Verantwortlichen ein erstes Fazit ziehen. Dann entscheidet sich, wie es mit dem gastronomischen Angebot weitergeht. "Geplant ist, künftig auch zu öffnen, wenn Veranstaltungen im Ort sind", sagt Sabrowsky. So soll bereits am kommenden Sonntag, zum Spiel des Musikbrunnens, von 15 bis 16.30 Uhr der Imbiss außer der Reihe öffnen. Dass künftig an jedem Wochenende Betrieb ist, scheint aber eher unrealistisch. Sie erklärt: "Da sind wir sehr mit Feierlichkeiten und Buffets beschäftigt."

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