Halde 65 soll verschwinden - mit Hilfe von 180 Lkws am Tag

Die Wismut lässt in den nächsten Monaten eine strahlende Altlast in Bad Schlema sanieren. Anwohnern bereitet vor allem der geplante Abtransport des Haldenmaterials Sorgen.

Bad Schlema.

Nach Jahren der Debatte geht es jetzt los: Im Juli will der Bergbausanierer Wismut beginnen, die alte Uranbergbauhalde 65 in der Ortsmitte von Bad Schlema abtragen zu lassen - und damit gut eine Million Tonnen an schwach radioaktiv belasteten Boden. Dafür nötig sind gut 60.000 Lastwagen, genauer Vier-Achs-Kipper mit Allradantrieb, die das Material zur benachbarten Halde 371 nach Hartenstein karren. Pro Tag entspricht das umgerechnet etwa 180 Lkw-Fahrten.

Bei einem Infoabend am Dienstagabend im Rathaus der Gemeinde stellte der Projektleiter der Wismut-Altstandorte, Manfred Speer, diese Müllbeseitigung der etwas anderen Art den Bürgern vor. Er selbst sprach von 16 bis 18 Transportern, die in der Stunde fahren. Ziel ist, jeden Tag etwa 3000 Tonnen abzutragen und abzutransportieren. Dafür wird auf der Halde Montag bis Freitag von 7 bis 19 Uhr gebuddelt. Samstags werde nur "punktuell" gearbeitet, wenn Verzögerungen drohen, sagte er.

Die Wismut rechnet für diese als Profilierung bezeichneten Arbeiten mit einer Bauzeit von 18 Monaten. Später soll die alte Halde mit Mineralboden abgedeckt und neue Wege sowie ein Entwässerungskanal errichtet werden. Als Baufirma wurde die Oehme GmbH aus Dorfchemnitz beauftragt; den Transport übernimmt die Firma Bauer aus Crimmitschau. Mitte 2020, heißt es, könnten die Arbeiten enden. Kosten für das Mammutprojekt: 6,7Millionen Euro netto.

Bei einigen Bürgern stieß das Vorhaben gestern Abend vor allem wegen des geplanten Abtransports auf Skepsis. So fragte eine Anwohnerin aus Aue-Alberoda, warum die Lkws ausgerechnet über die Große Kreisstadt und den Autobahnzubringer zur Halde 371 fahren müssen - und nicht den kürzen Weg durch Schlema. "Wir müssen schon so viele Abgase ertragen", sagte sie. Wie Speer erklärte, ist der Pendelverkehr über Aue vorerst nötig, weil die Talstraße bei Bad Schlema wegen Bauarbeiten dieses Jahr gesperrt ist. Ab 2019 sollen die Lastwagen dann im Kreisverkehr fahren, also über Aue hin und über Schlema zurück.

Um die Belastung für die Anwohner so gering wie möglich zu halten, ergreifen die Planer eine Reihe an Schutzvorkehrungen. So baut man zwei Reifenwaschanlagen für die Lkw auf, eine im Kurort, eine in Hartenstein. Zudem werden die Fahrzeuge mit Wasser befeuchtet, damit an trockenen Tagen kein Staub aufgewirbelt wird. Die Kipper zusätzlich mit einer Plane abzudecken, ist laut Speer allerdings nicht geplant.

Abgetragen wird die alte Halde, weil Böschungen abzurutschen drohen. Ein Gefahrenpotenzial geht auch vom radioaktiven Edelgas Radon aus, das austreten kann. Die Gemeindeverwaltung begrüßt das Projekt, auch weil es "keine verwertbaren Bauflächen mehr gibt", wie Bürgermeister Jens Müller sagt. Mit der Sanierung gewinnt der Ort mehrere Hektar an Bauland, etwa für Wohnhäuser und Handelsflächen.

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