Hat das Erzgebirge noch eine Chance?

Im Sog der Großstädte leeren sich viele Orte in der Region. Einziger Lichtblick hier: Aue. Noch mehr Gewicht hätte eine Einheitsstadt Silberberg.

Aue/Schwarzenberg.

Einer jüngsten Demografiestudie zufolge heißen die Verlierer im Altkreis Aue-Schwarzenberg Johanngeorgenstadt und Lößnitz. Von 100 Einwohnern verlassen hier im Laufe ihres Lebens mindestens 60 ihren Heimatort.

Aber auch in Breitenbrunn, Raschau-Markersbach, Bockau, Zschorlau, Stützengrün, Schönheide und Bad Schlema sieht es nicht viel besser aus. 40 bis 60 von 100 wandern hier über kurz oder lang ab. Schwarzenberg, Eibenstock, Grünhain-Beierfeld, Zwönitz und Lauter-Bernsbach können 60 bis 80 von 100 Einwohnern in der Kommune halten, haben aber demnach trotzdem ein negatives Saldo. Selbst die Kreisstadt Annaberg-Buchholz kommt nicht über diese Rate hinaus, die damit unter den Städten mit mehr als 20.000 Einwohnern klar zu den schrumpfenden Verlierern gehört. Aus dem Rahmen fällt in der Region die Stadt Schneeberg, die eine positive Bevölkerungsbilanz zu verzeichnen hat, die aber aufgrund der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende als verzerrt gilt.

Dieser Effekt strahlt auch ein bisschen auf Aue aus. Dennoch gehören dieser Stadt die positiven Bevölkerungsnachrichten aus dem Erzgebirge. Die Stadt zählt laut der Empirica-Studie, die von der Sächsischen Aufbaubank, dem Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften und dem Verband der kommunalen Wohnungsunternehmen in Auftrag gegeben wurde, zu den Wachstumsstädten. Sie weist eine Rate von 115 auf - das heißt, zu den 100, die als Richtwert gelten, kommen 15 Einwohner dazu.

Nach Leipzig, Dresden, Freiberg und Chemnitz, die in Sachsen den größten Zuwachs zu verzeichnen haben und deshalb als Schwarmstädte gelten, reiht sich Aue damit in die Liste von 18 Wachstumsstädten ein, zu denen in Südwestsachsen auch Plauen, Glauchau und Zwickau gehören. Letztere haben mehr Zu- als Abwanderung und profitieren von den nahen Ballungsräumen und den umliegenden Kommunen gleichermaßen. Einen weiteren Hoffnungsschimmer bieten auch die "versteckten Perlen", die am Wachstum knapp vorbeischrammen, dennoch aber eine gewisse Anziehungskraft haben. Im Erzgebirge trifft das allein auf Stollberg zu.

Das Resümee der Bonner und Berliner Wissenschaftler vom Empirica-Institut: Weil der Schrumpfungsprozess bei der Mehrzahl der etwa 400 Kommunen im Freistaat nicht aufzuhalten ist, seien vor allem die Wachsumsstädte und die versteckten Perlen mit neuen, veränderten Förderbedingungen zu stärken. Das könnten zum Beispiel Eigenheimzulagen sein, heißt es. Und weiter zu Schul-, Krankenhaus- und Verkehrsplanung: "Stets sollten Wachstumsstädte und versteckte Perlen gegenüber Alternativstandorten bevorzugt werden."

Was heißt das für die umstrittene Silberberg-Städtefusion? "Die Entwicklung, die die Studie aufzeigt, ist der Grund für Silberberg", sagt Aues Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU). Mit 45.000 Einwohnern nach der Fusion hätte die Region mehr Gewicht. "Die Demografen haben schon vor 20 Jahren gesagt, wenn ihr zwischen Plauen und Chemnitz noch etwas wollt, kommt ihr an diesem Plan nicht vorbei."

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