Heinrich Kohl: "Ich bin der Richtige für die Einheitsstadt"

Mit Heinrich Kohl (CDU) bleibt der ehemalige Stadtchef von Aue im Rathaus - Die Umsetzung der Städteehe bestimmt derzeit die Arbeit

Aue-Bad Schlema.

Heinrich Kohl (CDU) heißt der erste Oberbürgermeister der neuen Stadt Aue-Bad Schlema. Wie geht es nach der Fusion weiter und welche Visionen hat der neue Stadtchef? Das wollte "Freie Presse"-Redakteur Thomas Mehlhorn vom neuen Amtsinhaber wissen.

"Freie Presse": Die Wahl des ersten Oberbürgermeisters der neuen Stadt Aue-Bad Schlema war spannend. Wann hatten Sie das Gefühl, dass Sie wieder an ihren alten Schreibtisch dürfen?


Heinrich Kohl: Tatsächlich war ich nach dem ersten Wahlgang ein wenig ernüchtert. Da hatte ich mehr als 36 Prozent erwartet. Es trennten mich von Jens Müller nur 3,5 Prozent. Um der Spannung ein wenig zu entgehen, bin ich beim zweiten Wahlgang am vergangenen Sonntag erst später als sonst ins Rathaus gegangen. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits viele Wahllokale ausgezählt und der Trend sah mich vorn.

War der Wahlkampf schwieriger als erwartet?

Ja. So konnte ich mich in Bad Schlema erst in diesem Jahr nach der vollzogenen Städteehe als OB-Kandidat präsentieren. Zudem musste ich feststellen, dass es aus Aue plötzlich Kritik an dem Zusammenschluss mit Bad Schlema gab. Aufgrund der vielen Vorteile der Einheitsstadt war mir dies als Problem nicht in den Sinn gekommen.

Vielleicht liegt es auch daran, dass der Name Aue-Bad Schlema für die Auer etwas sperrig ist?

Der Name stand für mich nie zur Diskussion. Denn ohne ihn wäre die Städteehe auf gleicher Augenhöhe politisch nicht möglich gewesen. Zudem ist er wichtig für die Identität der Bürger und damit bedeutsam für den Prozess der Vereinigung.

Und was können Sie dazu beitragen?

Ich bin seit den 1980er-Jahren in der Kommunalverwaltung- und politik tätig. Ich habe als reife Persönlichkeit einen großen Erfahrungsschatz, wie man solche Prozesse ohne Kollateralschäden bewältigt. Deshalb bin ich der richtige OB für die Einheitsstadt. Vor allem geht es doch darum allen Bürgern - und besonders den Kritikern der Städteehe - zu zeigen, dass diese richtig war. Dazu gehört auch verlorenes Vertrauen wieder herzustellen.

Welche Aufgaben erwartet den ersten Oberbürgermeister der Stadt Aue-Bad Schlema?

Zwar sind Aue und Bad Schlema seit Jahresanfang vereint, doch aufgrund eines Verfahrens am Verwaltungsgericht gegen die Fusion war es zuvor schwierig, sie auf Verwaltungsebene vorzubereiten. Erst jetzt mit der Wahl eines Oberbürgermeisters werden diese Schritte vollzogen, damit die neue Stadt eine funktionierende und effiziente Verwaltung hat. Jetzt vollenden wir das Stühlerücken. Die Verwaltung wird für die neuen Aufgaben flott gemacht.

Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung?

Datenschutz und Datensicherheit sind zwei Schlagwörter, die die Arbeit der kommenden Monate bestimmen. Sodann die eigentliche Digitalisierung der Verfahren. Wir müssen uns der Herausforderung stellen, damit die Bürger die Verwaltungsleistungen auch online in Anspruch nehmen können. Dazu brauchen wir entsprechende Fachkräfte. Damit befinden wir uns in einem Wettbewerb mit der Wirtschaft.

Im Wahlkampf hat auch die Zukunft der baufälligen Freimaurer-Loge eine Rolle gespielt. Wie geht es weiter?

Die Sanierung dieses für die Stadt wichtigen Gebäudes ist sehr teuer. Selbst mit Fördergeld rechnen wir mit einem Eigenanteil von 800.000 Euro. Deshalb brauchen wir ein gutes Nutzungskonzept. Die Idee, dass dort die Stadtbibliothek einzieht, scheint aber nicht realisierbar, da die weiterhin aufsteigende Feuchtigkeit in dem Haus den Buchbestand beschädigen könnte. Deshalb gibt es mittlerweile auch die Überlegung, in das repräsentative Gebäude das Standesamt der Stadt zu verlegen. Doch erst brauchen wir das Geld für die Sanierung.

Viele Städte können Projekte ohne Fördergeld nicht umsetzen. Ist das frustrierend?

Es gibt viele Förderprogramme und wir haben im Rathaus auch die fähigen Mitarbeiter, die diese beherrschen. Doch manchmal hat man das Gefühl, dass absichtlich zu hohe bürokratische Hürden eingebaut sind. Und ohne den Eigenanteil der Kommunen läuft eben nichts. Ohnehin haben wir 97 Prozent Pflichtaufgaben. Da bleibt wenig Spielraum.

Welche Prioritäten setzen Sie für die freiwilligen Aufgaben?

Die Schulen und Kitas haben Vorrang bei den Pflichtaufgaben. Der Digitalpakt des Bundes wird uns bei den Schulen beschäftigen und bei den Kitas haben wir noch baulich Nachholbedarf. Zudem werden Straßenbau und Spielplätze eine Rolle spielen. Die Sanierung der ehemaligen Besteckfabrik Wellner/ABS geht weiter und für die Bibliothek braucht es eine Lösung.

Viele Städte kämpfen gegen die Überalterung. Wie wollen Sie junge Leute in die Stadt locken?

Mit Bad Schlema haben wir als Kurort für die künftige Wohnbebauung ein Juwel bekommen. Aufgrund seiner Tallage hat Aue zur Zeit noch zu wenig gutes Bauland vorzuweisen. Mit Bad Schlema können wir für junge Familien einen interessanten Standort bieten. In diesem Bereich hat Aue durch die Fusion eine wesentliche Aufwertung erfahren.

Wie wird es mit den Gewerbegebieten weitergehen?

Wir benötigen für eine positive Bevölkerungsentwicklung attraktive Jobs. Wir haben ausgezeichnete Firmen und für diese halten wir Flächen für ihre Erweiterung bereit. Ein Wunsch wäre ein großes Gewerbegebiet mit Hartenstein und Oelsnitz an der Anschlussstelle der A 72 für eine Großansiedlung.

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