Herr-Berge-Gründer bekommt Bundesverdienstorden

Joachim Böhm ist engagierter Christ. Sozial schwache Menschen liegen ihm am Herzen - nicht nur des Berufes wegen.

Zschorlau.

Joachim Böhm hat vier Berufsabschlüsse: Krankenpfleger, Rettungsassistent, Naturpädagoge und das Diplom für Sozialmanagement. Sie stehen für das, was der heute 52-Jährige seit 1991 in seinem Heimatort Burkhardtsgrün aufgebaut hat. Böhm ist Vorstandsvorsitzender des Herr-Berge Senioren-, Familien- und Behindertenzentrums der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden in Westsachsen in Zschorlau. Für seinen christlichen, beruflichen und ehrenamtlichen Einsatz für sozial schwache Menschen bekommt er heute von Bundespräsident Joachim Gauck den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

"Für mich war das eine sehr große Überraschung, als ich den Brief von der Sächsischen Staatskanzlei bekommen habe", so der 52-Jährige. Dort wird ihm die Auszeichnung durch Sachsens Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich überreicht. Böhm sei ganz wichtig, dass er sie nicht für sich allein entgegennehme, sondern stellvertretend für alle engagierten Mitarbeiter des Vereins Herr-Berge. "Und nur vor dem Hintergrund, dass sie und meine Familie mich all die Jahre unterstützt und freigeboxt haben, nehme ich den Verdienstorden an", betont er.


Begonnen hat die Geschichte der Herr-Berge im Zschorlauer Ortsteil Burkhardtsgrün am 9. November 1991. Damals wurde der Verein in der Friedenskapelle in Schneeberg ins Leben gerufen. Böhm ist Mitglied der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde. Als Krankenpfleger hatte er zu DDR-Zeiten auch in Altenpflegeheimen gearbeitet. "Mehrbettzimmer, in denen psychisch Kranke zusammen mit dementen, aber auch einfach nur pflegebedürftigen Alten untergebracht waren, waren Normalität", erinnert er sich. Als sich mit der politischen Wende neue Möglichkeiten boten, wollte er als engagierter Christ an diesen Verhältnissen etwas ändern. Gemeinsam mit einem Kollegen fasste er den Plan, ein Senioren-, Familien- und Behindertenzentrum in Burkhardtsgrün aufzubauen. "Das war sehr herausfordernd", sagt er rückblickend. Die größte Schwierigkeit sei die Genehmigung des Standortes gewesen, weil es eine Richtlinie gab, solche Einrichtungen möglichst im innerstädtischen Bereich anzusiedeln. Eine Partnerschaft mit einem Familienzentrum im oberfränkischen Heiligenstadt ergab sich. In Verhandlungen mit Behörden wirkte dieses als Beispiel, dass es auf dem Land funktionieren kann. Dann war Klinkenputzen bei Fördermittelstellen angesagt. Schließlich erfolgte im Juni 1993 den ersten Spatenstich für das Altenpflegeheim und die sozialtherapeutische Wohnstätte für chronisch psychisch kranke Menschen in Burkhardtsgrün.

Andere Einrichtungen kamen dazu - heute ist das Diakoniewerk an vier weiteren Standorten aktiv. Dazu gehören in Aue eine Frühförderstelle für Kinder, die behindert oder von Behinderung bedroht sind, der Mehrgenerationenbauernhof in Sosa und eine Jugend-Wohngruppe in Schneeberg. Seit 2005 organisiert der Verein den "Urlaub für vergessene Kinder". Für über 800 Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen konnten seitdem - aus Spenden finanziert - kostenlose Urlaubsaufenthalte ermöglicht werden.

"Der Verein und ich möchten etwas zurückgeben, weil wir selbst viel Segen erfahren haben", beschreibt Joachim Böhm sein Credo. Auch bei zukünftigen Projekten werde man "genau hinschauen, was die Gesellschaft braucht".

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