Historische Ansicht zeigt Liebe zur Heimatstadt

Lüftlmalerei ziert Fassaden vieler Häuser im Erzgebirge. "Freie Presse" erzählt die Geschichte dahinter. Heute: Familie Lersow aus Johanngeorgenstadt.

Johanngeorgenstadt.

"Ich hatte schon immer vor, ein solches Bild an unser Haus malen zu lassen", sagt Elke Lersow. Das Wohngebäude befindet sich seit 1940 in Familienbesitz. "Gekauft haben es meine Großeltern, dann haben es meine Eltern übernommen und jetzt wir", zählt die Johanngeorgenstädterin auf. Das Lüftlbild sei ihr ganz persönlicher Wunsch gewesen. Ein Wunsch, mit dem sie eine ganze Weile schwanger ging.

Die Bilder von Maler Thomas Helm waren ihr dabei irgendwann einmal sprichwörtlich ins Auge gestochen. "Er hat ja in Eibenstock schon einiges gemalt, dadurch bin ich auf ihn aufmerksam geworden", sagt die 66-Jährige. Also suchte sie den Künstler vor ein paar Jahren in seinem Atelier in Eibenstock auf. "Ich hatte eine ganz konkrete Vorstellung von unserem Lüftlbild", so die Johanngeorgenstädterin. "Es sollte etwas Historisches sein. Ich wollte an das alte Johanngeorgenstadt erinnern." Ein Bild mit ähnlichem Ansatz war ihr schon an der Schulstraße aufgefallen. Dort gebe es ein Lüftlbild, das den Markt von Johanngeorgenstadt vor dem großen Stadtbrand, also vor 1867, zeigt. Das habe ihr sofort gefallen.

Weil Elke Lersow im Besitz einiger alter Postkarten und Fotos ist, waren gute Vorlagen vorhanden. "Thomas Helm selbst hat auch noch recherchiert, sich belesen und hatte selbst einige Karten", ist die Auftraggeberin auch heute noch ganz begeistert von der korrekten und engagierten Arbeitsweise Helms. Unvergessen bleibt aber auch, dass es während des Malprozesses Probleme mit der Farbe gab und das Bild sogar noch einmal abgewaschen werden musste. "Das war ein ganz schöner Schreck, doch Herr Helm hat es innerhalb weniger Tage wieder hinbekommen."

Zum historischen Hintergrund des Bildes weiß sie zu berichten: Nach dem großen Brand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Stadt - und damit auch der Markt - zunächst wieder aufgebaut, ehe Mitte des 20. Jahrhunderts die Wismut kam. "Jeder weiß ja, was dann passiert ist - von den auf dem Lüftlbild gezeigten Häusern steht heute kaum noch eins. Nur das alte Bürgermeisterhaus ist noch da." Orientierung bietet lediglich die Stadtkirche, die bis heute den Bereich prägt. "Deshalb wollte ich auch, dass die Südseite des Platzes gezeigt wird, denn dadurch ist die Kirche mit drauf. Damit hat man einen Bezug zu heute", ist sich Lersow sicher.

Oft bleiben Gäste der Stadt vor dem Bild stehen, bestaunen es und diskutieren darüber. "Einige Johanngeorgenstädter können sich noch schwach erinnern, wie es damals aussah." Lersow selbst, deren Mann ihretwegen aus Schwerin ins Erzgebirge zog, hat verständlicherweise kaum noch Erinnerungen an den alten Markt. Eingebrannt habe sich nur die Steinberger-Fabrik, eine Handschuhmacherei. "Auf dem Lüftlbild sind noch der Schornstein und das Dach zu sehen." Als das Gebäude abgerissen wurde, sei sie als Kleinkind mit dabei gewesen.

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