Hölzernes Schwergewicht erinnert an alte Technik

Die Idee zu einer Skulptur für die Landesgartenschau in Frankenberg schoss Künstler Tobias Michael einfach durch den Kopf. Das Fertigen allerdings verlangte dem Lauterer viel Kraft ab.

Lauter-Bernsbach.

Mit 66 Jahren kann sich Tobias Michael aussuchen, welchen Auftrag er annimmt. "Ich bin ja eigentlich Rentner", sagt der Holzgestalter und lacht. Dann tritt er zur Seite und lässt den Blick über sein aktuelles Projekt schweifen. "Es hat mich sofort gepackt. Ich las die Ausschreibung und hatte gleich im Kopf, wie es aussehen muss", berichtet der Lauterer.

Die Rede ist von einem Pro- jekt, dessen Grundmaterial allein 1,5 Tonnen auf die Waage brachte. Für die Landesgartenschau in Frankenberg hat Tobias Michael eine Skulptur geschaffen, die mit 2,20 Metern Breite und mit zirka 2,50 Metern Höhe ein richtiger Brocken ist. Erinnern soll das Kunstwerk, das aus vier Stelen besteht, die optisch und von der Anordnung her ineinandergreifen, an ein oberschlächtiges Wasserrad. "Und an die Leistungen unserer Vorfahren", erklärt Michael.

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Ein solches Rad hätte sich einst in einer Zweigangwassermühle gedreht, technische Details hat der Künstler mit Kettensäge, Fräse und Eisen auf der Oberfläche verewigt. So zeichnen sich im Holz der Vorderseite große und kleine Zahnräder sowie der Lagerpunkt deutlich ab, während auf der Rückseite feinere Linien den Aufbau des Rads nachempfinden. "Weil ich die Strukturen angeschrägt habe, wirkt alles nicht starr, sondern deutet auf die rastlose Bewegung des Rads hin. Im Original hätte es einen Durchmesser von fünf Metern", sagt Michael, der sich belesen und dann ein Modell im Maßstab 1:10 am Computer entworfen hat. Erst spät indes bewarb er sich auf die Ausschreibung für die Landesgartenschau in Frankenberg, taufte sein Werk "Wasser-Kraft-Mühlen-Technik". Michael bekam den Zuschlag, und der Erzgebirger freut sich, dass er sein Objekt für den Skulpturenpfad beisteuern darf. "Spontane Ideen sind ja meist die besten."

Aus Deutschneudorf holte der Künstler einen Eichenstamm mit 90 Zentimetern Durchmesser nach Lauter. "Ich brauche ja eine gewisse Tiefe, um die Technikelemente einzuarbeiten", erläutert der erfahrene Holzgestalter, der das Werk für Frankenberg diese Woche fertigkriegen muss. Anfang der nächsten Woche soll es unter Medienpräsenz aufgestellt werden. Sogar das Fernsehen habe sich angekündigt, sagt der 66-Jährige.

Noch nicht oft hat er in solchen Größenordnungen gearbeitet - oder arbeiten dürfen. "Derlei Aufträge sind von Natur aus eher selten." Ähnlich imposante Ausmaße hatten jedoch seine 8 Meter breite und 3,30 Meter hohe Wandgestaltung für eine Kirche in Chemnitz und sein Werk "Aus der Enge in die Weite", das in Erinnerung an die Wie-dervereinigung an der ehemaligen innerdeutschen Grenze in Herleshausen steht und eine Holzfigur zeigt, die sich durch zwei Betonelemente presst. "Dazu benötigte ich einen dicken Stamm. Der hatte einen Meter Durchmesser", so Michael.

Befestigt wird die vierteilige Wasserrad-Skulptur mit zwölf Edelstahlstangen, die unten ins Holz gebohrt und in einem Betonfundament verankert werden. "Auch im oberen Bereich gibt es eine Befestigung." Immerhin wiegt das gute Stück nach der intensiven Bearbeitung noch rund eine Tonne. "Der Rest sind Späne." Das merkt der Künstler körperlich. Nach rund sechs Wochen Arbeitszeit könne er die Säge am Ende des Tages manchmal kaum noch halten. "Arme, Sehnen und Ellenbogen lummern ganz schön", gesteht Tobias Michael. Umso stolzer ist er aufs Ergebnis.

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