Hohenwendel im Kleinformat: Bau dauert rund 460 Stunden

Das Modellbahnland in Schönfeld ist um eine Attraktion reicher. Mit dem Schloss wird die größte Spur-1-Anlage Europas um ein markantes Gebäude ergänzt.

Schönfeld.

Ganz leicht ist ihm das Loslassen nicht gefallen. Als Günther Siegert das Schloss Hohenwendel an Christian Graumann, Ausstellungsleiter im Modellbahnland Schönfeld, übergab, war etwas Wehmut dabei. "Ich würde es am liebsten wieder mitnehmen", sagte er etwas kleinlaut. Der originale Nachbau des wohl markantesten Gebäudes aus dem Nachbarort Thermalbad Wiesenbad ist das 60. Objekt in der relativ jungen Modellbauerkarriere von Günther Siegert. "Und es ist mein bisher schönstes", sagt der Streckewalder, der diesem Hobby so richtig erst seit dem Jahr 2008 nach- geht.

"Ein Jahr zuvor ist meine Frau gestorben. Die Zeit danach war für mich ziemlich schwer. Ich brauchte irgendetwas, an dem ich mich festhalten konnte, was mich ablenkte", erzählt Günther Siegert. In dieser Zeit entdeckte er das Modellbauen für sich. "Ich habe das früher schon mal hin und wieder getan, aber nie so intensiv wie seit 2008", berichtet der Rentner, der nach eigenem Bekunden wegen dieses Hobbys oft nicht vor 23 Uhr ins Bett kommt.

Gerade für das Schloss Hohenwendel musste so manche Stunde seiner Nachtruhe dran glauben. Insgesamt hat er 460 Stunden an dem Schloss gebastelt, das im Gegensatz zu seinem Vorbild wie aus dem Ei gepellt daherkommt. Und dabei arbeitet der Streckewalder mit primitivsten Mitteln. "Einen Computer oder ähnliche Technik habe ich nicht. Ich brauche in der Hauptsache nur einen Bleistift, ein Lineal, Millimeterpapier, eine Schere und ein Cuttermesser. Wer meine Modelle sieht, glaubt mir das oft gar nicht", betont Günther Siegert, der schon das nächste Projekt in der Mache hat. Das ist ein Auftrag von einem Privatmann, der gern sein Einfamilienhäuschen als Modell umgesetzt hätte. Aber auch für die größte Spur-1-Anlage Europas im Modellbahnland gibt es weitere Pläne. "Günther wird für uns noch das ehemalige Ferienheim ,Aktivist' Oberwiesenthal nachbauen", sagt Christian Graumann. Das erste Modell, das der Streckewalder für die Anlage in Schönfeld maßstabsgetreu umgesetzt hat, war vergangenes Jahr das Café Schweitzer Dörfel, das im Original an der B 95 zwischen Annaberg und Schönfeld zu finden ist - allerdings nicht mehr als Café.

Nicht minder aufwendig als die Objekte von Günther Siegert ist auch der Rest der Spur-1-Anlage gearbeitet. "In diesem Maßstab und aus dem von uns umgesetzten Jahr 1980 gibt es außer den Loks und Waggons kaum etwas von der Stange zu kaufen. Wir haben nahezu alles selbst bauen müssen", sagt der Ausstellungsleiter. So sind zum Beispiel die Mopeds vom Typ Schwalbe aus Zinn gegossen und bemalt. Die auf der Anlage zu findenden W50 wiederum sind aus Kunstharz hergestellt worden. Dafür mussten zunächst Formen erstellt werden, nennt Christian Graumann nur einige Beispiele.

Der Besucher kann nur erahnen, wie viele Stunden Bastelei und welche Sisyphusarbeit in der Anlage stecken. "Die Zeit darf man bei so etwas im Prinzip gar nicht rechnen. Die kann ohnehin keiner bezahlen", sagt der Ausstellungsleiter. www.modellbahnland-erzgebirge.de

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