Hoteliers kritisieren das drohende Motorrad-Fahrverbot

Das vom Bundesrat geforderte Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen lehnen nicht nur viele Biker ab. Auch Gastronomen befürchten Einbußen, weil Kunden auf zwei Rädern künftig fernbleiben könnten.

Aue/Schwarzenberg.

Zehntausende Motorradfahrer haben jüngst in ganz Deutschland gegen Pläne für Biker-Fahrverbote protestiert. In München, Düsseldorf, aber auch in Dresden und Leipzig. Zu den rund 20.000 Demonstranten, die Mitte Juli in der Messestadt und an der Elbe ihren Unmut über die vom Bundesrat geforderten "beschränkten Verkehrsverbote an Sonn- und Feiertagen aus Gründen des Lärmschutzes" gezeigt haben, gehörten auch Biker aus dem Erzgebirge.

"Von meinen Kunden waren einige da", sagt Motorradhändler Harald Sturm. "Es kommt mir vor, als soll uns in alle Lebensbereiche eingegriffen werden", meint der ehemalige Weltklasse-Geländefahrer aus Zschopau. Das Gros der Motorradfahrer halte sich an die Regeln. Und wegen einer Minderheit, die auf der Straße verrückt spielt, dürften nicht alle bestraft werden, spricht sich der 64-Jährige gegen Fahrverbote aus. Falls entsprechende Pläne forciert werden sollten, werde er alle seine Kunden mobilisieren und fahre auch selbst mit zu einer Demo, kündigt Sturm an. Kein Verständnis zeigt die Enduro-Legende hingegen für jene Biker, die mit zu lauten Maschinen unterwegs sind. "Ich wohne selbst in der Nähe einer viel befahrenen Straße. Wenn dort welche mit ihren Brüllrohren hochdonnern, das geht gar nicht." Deshalb versuche er auch, Kunden, die einen anderen Auspuff anbauen wollen, ins Gewissen zu reden. "Ein schöner Sound ist okay, aber keine Plärrkisten", sagt der Händler.

Ein Fahrverbot hätte auch Auswirkungen auf Hoteliers und Gastronomen in der Region. Durchschnittlich ein Drittel der Gäste, die sonntags die Köhlerhütte Fürstenbrunn in Waschleithe besuchen, sind Motorradfahrer. "Der Wegfall der Biker am Sonntag wäre für uns nicht existenzbedrohend, aber sie sind zahlungskräftige Kunden und damit extrem wichtig", erklärt Inhaber Heiko Schmidt. Er ist entschieden gegen Fahrverbote, denn "wenn solche Fahrzeuge verkauft werden, dann sollen diese auch jederzeit fahren dürfen."

Im Hotel Neustädter Hof in Schwarzenberg machen Biker circa zehn Prozent der Übernachtungs- und 15 bis 20 Prozent der Restaurantgäste aus. "Ein Verbot würde unserem Umsatz schaden. Gerade in der jetzigen Zeit sind wir froh über jeden Gast", erzählt der Geschäftsführer Daniel Frisch. Dem Sonnenhotel Hoher Hahn in Schwarzenberg könnten ebenso Einnahmen wegbrechen. Das Hotel ist zwar kein klassisches Biker-Ausflugsziel, gelegentlich kommen Motorradfahrer aber als Übernachtungsgäste. "Ich habe Verständnis für Einwohner von Orten, die an Sonntagen von vielen Motorrädern durchfahren werden, wenn diese sich durch den Lärm belästigt fühlen", sagt Hoteldirektor Martin Wieggrebe. Pauschale Fahrverbote an Sonntagen hält aber auch er nicht für richtig: "Die sollten lediglich für bestimmte Ortschaften und zu bestimmten Zeiten eingeführt werden." (mit hd)

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