Infizierter Vater lebt im Bethlehemstift Zwönitz - Bäckermeister dankt Mitarbeitern mit Kuchen

Ein fast 89-jähriger Mann musste Anfang des Jahres nach einer OP zur Pflege ins Bethlehemstift. Zu seinem Sohn besteht seitdem kein normaler Kontakt. Der weiß trotzdem seinen Vater in guten Händen und dankt dafür auf seine besondere Weise.

Grünhain/Zwönitz.

Das Jahr 2020 ist für Lothar Brückner aus Grünhain bisher kein gutes gewesen. Nachdem er am 3. Januar in der eigenen Wohnung gestürzt war und sich einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen hatte, war er mehrfach im Krankenhaus, dann zur Kurzzeitpflege im Bethlehemstift und infizierte sich dort wie andere Senioren mit Covid-19. Selbst erzählen kann der fast 89-Jährige davon nicht, es besteht Besuchsverbot, auch für Journalisten. An seiner Stelle gibt sein Sohn, Udo Brückner, Bäckermeister aus Grünhain, Auskunft.

"Meinem Vater geht es gut", sagt der 63-Jährige. Die Nachricht, dass er positiv auf das Virus getestet wurde, erhielt er Ende März. Seitdem sind Besuche nicht möglich, gesehen und gesprochen hat man sich allerdings schon, indem der Vater auf den Balkon des Altenpflegeheimes gekommen ist. Alle zwei Tage schaut Udo Brückner in Zwönitz vorbei. "Mein Vater hat kein Handy, hat sich mit solchen Sachen sein ganzes Leben nicht beschäftigt und wüsste gar nicht, wie man damit umgeht", so der Sohn. Informiert hat sich der Grünhainer regelmäßig beim Personal des Heimes. "Ich war aber von Anfang an optimistisch, dass es gut ausgeht. Mein Vater war sein ganzes Leben lang nicht krank und wir sind es gewöhnt, Krisen aus eigener Kraft zu meistern." Lothar Brückner war wegen seines Sturzes das erste Mal überhaupt in seinem Leben im Krankenhaus.

Udo Brückner berichtet weiter, wie sein Vater nach Zwönitz ins Bethlehemstift kam. "Nach drei Wochen im Auer Krankenhaus sollte sich eine Kurzzeitpflege anschließen. Nachfragen in mehreren Heimen waren nicht erfolgreich, im Bethlehemstift haben wir einen Platz bekommen, das war Ende Januar, Anfang Februar. Gleich am ersten Tag dort hat mein Vater versucht aufzustehen, ist wieder gestürzt und musste noch einmal ins Krankenhaus. Ende Februar waren dann die vier Wochen Kurzzeitpflege um. Er konnte ja nicht wieder allein zu Hause sein, und so haben wir ihn richtig in Pflege gegeben." Und obwohl er 14 Tage später positiv auf Covid-19 getestet wurde, zeigte er keinerlei Symptome. "Ich habe jeden Tag angerufen und es hieß immer: Es geht ihm gut." Vom Vater, der leicht unter Altersdemenz leidet, habe es nie Nachfragen gegeben, warum es in all den Wochen keinen Besuch gab. "Ich kenne ihn nicht anders. Er hat die Dinge immer so genommen, wie sie eben sind."

"Im Zwönitzer Heim geben sich alle große Mühe", sagt Udo Brückner. Er habe Vertrauen in die dortigen Mitarbeiter. In dem Wissen, "dass sie ihre Arbeit tun müssen, auch wenn sie mit der Angst vor dieser Krankheit leben", hat er sich ein besonderes Dankeschön ausgedacht: Schon mehrmals hat er ein Blech mit Kuchen aus seiner Bäckerei vorbeigebracht. Die Grünhainer Bäckerei beliefert das Zwönitzer Heim. Da aber in letzter Zeit das Kaufverhalten seiner Kunden sehr schwankt, bleibe oft zum Beispiel Kuchen übrig. Und den bringt er den Mitarbeitern im Bethlehemstift.

Im Zwönitzer Heim, dessen Träger das Diakonische Werk Aue/Schwarzenberg ist, waren Anfang April nach einem Test 53 Infizierte unter den Bewohnern festgestellt worden. Eine Lockerung des Besuchsverbots ist nicht absehbar. Sprecherin Katharina Neukirchner: "Wir sind den Angehörigen dankbar für ihr Verständnis für die damit verbundenen Einschränkungen."

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