Ist der Weihnachtsmarkt in Aue zu kurz?

Braucht die größte Stadt im Erzgebirge einen Weihnachtsmarkt, der länger als drei Tage geht? Einige Händler und Gäste sagen ja. Die Stadtverwaltung sieht das anders.

Aue-Bad Schlema.

Glühwein, Lebkuchen und gebrannte Mandeln: Wer danach am gestrigen Montag auf dem Auer Altmarkt suchte, der hatte Pech gehabt. Denn nur drei Tage nach der Eröffnung am Freitagabend ist der Raachermannelmarkt schon wieder zu. Ein Wochenende Budenzauber - ist das zu wenig für die nach Einwohnern größte Stadt im Erzgebirge? Dass es auch anders geht, zeigen schließlich Städte wie Schneeberg und Schwarzenberg.

Im Netz scheint die Meinung jedenfalls klar zu sein. Auf einen Beitrag der Stadt zum Raachermannelmarkt im sozialen Netzwerk Facebook gibt es derzeit zahlreiche negative Reaktionen. Ein Mann schreibt: "Weshalb gehen die Händler nicht auf die Barrikaden? Das grenzt an Schwachsinn, den Markt für ein Wochenende zu machen." Ein anderer Nutzer kommentiert: "Für eine Große Kreisstadt ein Witz." Änderungen wünschen sich aber auch Händler und Besucher. Albert Sperlich (60) aus Seyda bei Wittenberg ist seit 16Jahren in Aue mit seinem Stand vertreten. Er sagt: "Dass der Markt nur ein Wochenende geht, ist nicht gut. Angefangen haben wir mit 16 Tagen, dann waren es neun. Jetzt fahren wir die gut 280 Kilometer mit drei Fahrzeugen für ein Wochenende."

Besucherin Susann Heinz (25) erklärt: "Es ist traurig, dass es nur ein Wochenende ist." Und auch Händlerin Ramona Merboth (59) sagt: "Wir fanden es gut, als der Markt noch länger lief. Es kommt natürlich auf die Kaufkraft der Leute an. Es bringt uns als Händler nichts, wenn wir 14 Tage auf dem Markt stehen und den gleichen Umsatz haben wie an einem Wochenende."

Für die Stadtverwaltung kommt die Kritik nicht überraschend. "Es sind Dinge dabei, die werden Jahr für Jahr an uns herangetragen", erklärt Stadtsprecherin Jana Hecker. Darunter ist der Vorschlag, der Markt sollte an den Carolateich umziehen, weil dort ein schöneres Ambiente herrsche. "Die Idee ist bei uns angekommen, im Moment aber so nicht durchführbar. Bei schlechtem Wetter verwandelt sich das Gelände in eine Schlammwüste."

Kritik an der Dauer des Marktes weist die Stadtsprecherin indes zurück: "Das Stadtfest geht auch nur drei Tage." Und in vielen umliegenden Orten seien die Öffnungszeiten ähnlich. Im Jahr 2016 war der Raachermannelmarkt verkürzt worden - laut Hecker eine Reaktion auf das nachlassende Interesse der Händler. "Man muss sich ja nur selbst fragen: Was habe ich denn auf dem Weihnachtsmarkt gekauft? Vielleicht eine Bratwurst. Für viele Händler ist das nicht lukrativ."

Verständnis für die Entscheidung zeigt Elke Schädlich, Chefin des gleichnamigen Schuhhauses am Altmarkt: "Wenn sich nicht genügend Händler finden, bin ich für kurz und knackig." Sie wünscht sich aber, dass nach Ende des Weihnachtsmarktes noch zwei, drei Buden stehen bleiben, an denen Glühwein und Bratwürste verkauft werden. "Das wurde auch schon gemacht", sagt sie. Laut Hecker ist der sogenannte Nachweihnachtsmarkt allerdings vom Tisch: Er habe sich schlicht nicht rentiert. (mit wend)

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