Jehmlich-Orgel erklingt wieder

Zum Start der Reihe von Konzerten in St. Wolfgang in Schneeberg saß jetzt eine Frau aus Niedersachsen am Instrument.

Schneeberg.

Was mancher schon nicht mehr zu hoffen wagte: Die Jehmlich-Großorgel in der Schneeberger St.-Wolfgangskirche - zuvor seit 1998 quasi im Dauereinsatz - hat ihr farbenreiches Klangspiel trotz Corona wieder aufgenommen. Kantorin Christina Kothen aus dem niedersächsischen Alfeld (Leine) agierte jetzt am Spieltisch.

Mit Johann Sebastian Bachs Präludium Es-Dur, BWV 552 begann am Samstag das Konzert. Christina Kothen setzte weniger auf Schwung, sondern mehr auf festliches Pathos. Die Zuhörer des gut besuchten Konzerts unterm Sterngewölbe des Bergmannsdoms schauten und lauschten zufrieden.

Die Alfelder Kirchenkreiskantorin, die auch Dirigieren studiert hat, ist in ihrer Heimat zuständig für die Popularmusik und die musikalische Weiterbildung des Kirchenkreises, zu dem 800 Sänger gehören. Und nach dem grollenden, virtuos gespielten Weckruf "Präludium und Fuge a-Moll" von Johannes Brahms sorgte die Kantorin für einen besonders starken Kontrast. Josef Rheinbergers "Abendruhe" floss dahin wie eine benebelnde, edle Einschlafhilfe in der Stille eines Klosters. Zuletzt lag der Hörer entspannt auf dem sanften massierenden Bassgrund der Orgel. Aber nicht lange. Es wurde lautstark lebendig. Wenig geläufig ist der Name des französischen Organisten und Komponisten Léon Boëllmann (1862-1897). Zwei Jahre vor seinem Tod schrieb er die "Suite Gothique". Damit wurde die neue Orgel der Kirche Notre-Dame in Paris eingeweiht. Der dritte Satz der Suite ist ein "Gebet für Notre-Dame". Kothen spielte dieses liedhafte Adagio mit Streicher- und Bläserklang voller Innigkeit.

Die alljährliche internationale Schneeberger Orgelmusikreihe sollte eigentlich am 30. Mai beginnen. Doch dann kam die Pandemie. Auch in Schneeberg verliefen nun fast alle Planungen ins Leere. Das nächste Konzert, dann für Orgel und Trompete, ist am 8. August zu hören. Am 15. August gastiert der Ungar István Ella. Dieses Konzert war ursprünglich für den 13. Juni vorgesehen. (pau)

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