Johann'stadt trennt sich von 172 Grundstücken

Die Bergstadt hat mehr als 200.000 Quadratmeter Land zum Verkauf ausgeschrieben. Eine Chance für Investoren, sagt Bürgermeister Hascheck. Aber nicht um jeden Preis.

Johanngeorgenstadt.

Von der Fläche her ist es das größte Immobilienangebot, das eine Kommune im Erzgebirge aktuell zu machen hat: 172 Flurstücke mit insgesamt 210.512 Quadratmetern Land offeriert die Stadt Johanngeorgenstadt potenziellen Käufern. Das ist circa ein Fünftel des kommunalen Grundbesitzes. "Wir haben etwa 550 Flurstücke im Bestand", sagt Gisela Grimm, Sachgebietsleiterin Liegenschaften im Rathaus. "Zwischen 15 und 20 Prozent dieser Gesamtfläche haben wir jetzt ausgeschrieben."

Laut Grimm handelt es sich um Grundstücke, welche die Stadt für ihre Entwicklung und die Erfüllung ihrer kommunalen Aufgaben nicht mehr benötigt. Da liegt es nahe, sie zu Geld zu machen, zumal das chronisch klamme Johann'stadt jeden zu- sätzlichen Euro gebrauchen kann.

"Es geht aber nicht vordergründig darum, Geld zu verdienen", sagt Bürgermeister Holger Hascheck (SPD). "Wir wollen diese Flächen einer Nutzung zuführen. Privatleute sollen hier etwas entwickeln können. Wir verkaufen nicht um des Verkaufens willen, sondern nur für konkrete Vorhaben. Käufe zu Spekulationszwecken, weil Leute Geld übrig haben, werden wir ausschließen."

Dass Johanngeorgenstadt so viele Grundstücke hat, mit denen die Kommune nichts anfangen kann, liegt laut Hascheck vor allem an der Uranbergbau-Vergangenheit der Stadt. Große Flächen gehörten zu DDR-Zeiten der Wismut. Später gingen sie ins Eigentum der Stadt über.

Das größte Grundstück, das zum Verkauf angeboten wird, ist mit 13.749 Quadratmetern das Gelände der ehemaligen Textilfabrik "VEB Modesta", heute eine Grünfläche. Zur Zeit ist das Flurstück an einen Landwirt verpachtet. Eine Bebauung ist nach Einschätzung der Stadt nahezu ausgeschlossen, weil in diesem Bereich kaum genehmigungsfähig. "Aber solch eine Ausschreibung fördert ja auch die Kreativität", sagt Gisela Grimm. "Da kommen Ideen, die man gar nicht auf der Rechnung hatte." Als Beispiel nennt sie die Standorte der beiden Loipenhäuser in Johanngeorgenstadt. "Da standen früher FDGB-Ferienheime."

Die beiden kleinsten Flurstücke messen gerade mal vier Quadratmeter. Es handelt sich um Splitterflächen im Ortsteil Wittigsthal, die von Anwohnern als Vorgärten genutzt werden. Nun sollen sie ins Eigentum der Leute übergehen.

Der Wert der angebotenen Grundstücke liegt zwischen 10 Cent und 35 Euro pro Quadratmeter. Die Verwaltung tut sich schwer, den Wert des Gesamtpakets zu benennen. Sie verweist darauf, dass der Verkehrswert ständigen Schwankungen unterliegt und sich die Veräußerung über Jahre hinziehen wird.

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