Junge Familie schafft Paradies für Legehennen

Auf dem Bauernhof Mothes in Zschorlau kann man bereits Frischmilch kaufen. Jetzt auch Eier. Von mobilen Hühnern.

Zschorlau.

Die zweijährige Mina will unbedingt zu den Hühnern ins Gehege. Mama Anne-Katrin Keller tut ihr den Gefallen und hebt sie über den Absperrzaun. Die Kleine geht auf die Braungefiederten zu, streichelt sie, hebt sie hoch und trägt sie. Idylle pur auf dem Bauernhof Mothes in Zschorlau. Dort haben Anne-Katrin und Matthias Keller seit kurzem ein Hühner-Mobil.

Das gackernde Volk gehört schon immer zum Landwirtschaftsbetrieb von Steffen Mothes, dem Vater von Anne-Katrin Keller. Allerdings hat sich durch einen Hausbau nebenan die Fläche des Hühnergartens verringert. Statt das Federvieh ganz abzuschaffen, kamen die jungen Leute auf die Idee, das Geschäft anders und größer aufzuziehen. Sie pachteten einen Hektar Land, schafften ein Hühnermobil und 240 Legehennen plus drei Hähne an. "Die Hähne sind wichtig für die Rangordnung und zum Schutz vor Raubvögeln", erklärt Anne-Katrin Keller. Immer ein Zehntel der gepachteten Fläche wird eingezäunt. Dort haben die Hühner ausreichend Platz, fressen Gras und können nach Lust und Laune scharren. Ist die Fläche nach etwa 14 Tagen verbraucht, geht es für die Hühner ein Stück weiter, der Wagen wird dafür an den Traktor gehängt.


Während Steffen Mothes Landwirt im Hauptberuf ist, ist die Hühnerhaltung für das junge Paar ein Nebenerwerb. Er arbeitet bei VW in Mosel, sie als Erzieherin in der Kindertagesstätte Bockau. Ihre Legehennen sind noch jung. Wenn es gut läuft, sind 200 Eier am Tag zu erwarten. Jedes, in die weiche Schicht aus Dinkelspelz gelegt, picobello sauber. Und alle mit brauner Schale. In den Verpackungen zu je zehn Stück finden sich Eier verschiedener Größe, deshalb steht "unsortiert" darauf. "Wir verkaufen nur ab Hof, da gibt es andere Bestimmungen als im Supermarkt", erklärt Matthias Keller. Bis zu einer Anzahl von 350 Hühnern dürfen die Eier ungestempelt ab Hof verkauft werden. Pro Packung werden drei Euro verlangt. Der Verkauf beginnt am 1. Juli. Dafür hat die Familie einen Selbstbedienungsautomaten angeschafft, eine Art Kühlschrank. "Wir haben bereits einen großen Kundenstamm. Meine Eltern haben ja schon immer Eier verkauft", sagt Anne-Katrin Keller.

Das Hühner-Mobil bietet mit seinen zwei Etagen genug Platz für die 240 Legehennen. Das ist besonders wichtig für den Winter, wenn sie nicht mehr raus können. Auf dem Dach sind Solarzellen montiert. Sie stellen die Stromversorgung für den Weidezaun, das Licht im Stall, das Auslauffließband und die Klappen, die sich früh und abends automatisch öffnen und schließen, sicher.

Wie lange die Hühner ihr gutes Leben auf der Wiese in Zschorlau genießen können, ist noch offen. "Legehennen bringen 12 bis 14 Monate ihre optimale Leistung, dann muss man sie gegen neue austauschen", weiß Matthias Keller. Einige gehen wohl zu anderen Tierhaltern, einige landen vielleicht im Suppentopf. Bis dahin ertönt täglich schon bei Sonnenaufgang ihr Gegacker.

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