Junger Verein bringt alte Bahn auf Tour

Die historische Schmalspurbahn hat vor 125 Jahren ihre erste Fahrt absolviert - Nach der Stilllegung der Strecke haben sie Enthusiasten seit 1990 zum Teil wieder aufgebaut - Vor 25 Jahren war die erste Dampflok wieder unterwegs

Jöhstadt/Aue.

Regelmäßig schnaufen die historischen Dampflokomotiven der Preßnitztalbahn zwischen den beiden Bahnhöfen in Jöhstadt und Steinbach hin und her - sommers wie winters. In diesem Jahr wollen die Betreiber von der gleichnamigen Interessengemeinschaft die 800.000er-Marke bei den Fahrgästen knacken. "Das ist das große Ziel", sagt Vereinsvorsitzender Mario Böhme. Doch ohne Enthusiasten wie ihn würde die traditionsreiche Schmalspurbahn heute gar nicht mehr fahren.

Insbesondere für sie ist dieses Jahr deshalb ein ganz besonderes. Denn zum einen gibt es das 125-jährige Streckenjubiläum der historischen Bahn zu feiern, die am 1. Juni 1892 ihre erste Fahrt absolviert hat - damals noch auf 24 Kilometern zwischen Wolkenstein und Jöhstadt. Doch das Schicksal vieler Schmalspurbahnen ereilte in den 1980er-Jahren auch die Preßnitztalbahn: Die Strecke wurde stillgelegt und sogar demontiert. Doch schon Ende der 80er-Jahre fanden sich die Ersten zusammen, die diese Demontage nicht akzeptieren wollten. Es entstand die Interessengemeinschaft und schon unmittelbar nach der Wende begann der teilweise Wiederaufbau der Strecke. Mittlerweile zählt der Verein 530 Mitglieder und kann in diesem Jahr noch ein zweites Jubiläum feiern: das 25-jährige Bestehen der Museumsbahn.

Standesgemäß mit viel Dampf ist die Bahn in diesem Monat in das Jubiläumsjahr gestartet. Das steht nicht nur in jedem Monat unter einem anderen Motto, sondern verbindet zugleich auch noch eine ganze Region. Denn gefeiert wird beispielsweise auch in Wolkenstein, wo die Strecke einst ihren Anfang genommen hat. Im dortigen Schloss gibt es am 11. November einen Dia- und Filmtag zu "25 Jahre Preßnitztalbahn", bei dem noch einmal der Bogen gespannt werden soll vom Abriss bis zur Gegenwart. Und Mario Böhme verspricht "einen sehr speziellen Tag", denn den Organisatoren sei bereits zahlreich Material zur Verfügung gestellt worden.

Am Pfingstwochenende gibt es nicht nur in Jöhstadt beim traditionellen Pfingstfest viel zu erleben, sondern auch entlang der gesamten alten Strecke verschiedene Aktionen für die ganze Familie. Unter anderem wird im Preßnitztalmuseum in Niederschmiedeberg eine Sonderausstellung gezeigt. Einer der besonderen Höhepunkte dabei: das Fest auf dem ehemaligen Bahnhof in Großrückerswalde, kündigt Großrückerswaldes Kultur- und Tourismuschef Bastian Guthke an. Parallel dazu besteht die Möglichkeit, den romantischen Streckenverlauf durch das Preßnitztal aus der Luft zu genießen - ein Angebot des örtlichen Fliegerklubs.

Um ein ganz besonderes Kapitel Bahngeschichte geht es im April: die Bahnpostbeförderung. Eigens aus diesem Anlass kommt der historische Bahnpostwagen Nummer 1700 wieder zum Einsatz, der mittlerweile im Schmalspurmuseum in Rittersgrün sein Domizil gefunden hat. Und der einstige Originalwagen der Preßnitztalbahn wird zu Ostern wieder Post befördern - von Jöhstadt nach Steinbach zumindest, kündigt Mario Böhme an. Anschließend geht es, mit einem entsprechenden Sonderstempel versehen, wieder auf den regulären Postweg. Passend zum Thema werden laut Mario Böhme zudem Ersttagsbriefe herausgegeben und es wird eine Ausstellung gestaltet. Eine Wanderung ins tschechische Vejprty gewährt zudem einen Blick auf die 1912 geplante Verlängerung der Schmalspurstrecke bis ins Nachbarland.

Neben dem historischen Bahnpostwagen kommen aber auch noch andere Schmuckstücke auf die Schiene. Darunter auch einige Geburtstagskinder - wie zum Beispiel die leistungsstärkste Lok im Fuhrpark der Interessengemeinschaft: die VI K 99715. 1927 gebaut, 1974 außer Dienst gestellt und 2003 wieder in selbigen genommen, steht sie anlässlich ihres 90. Jubiläums im März im Mittelpunkt des Interesses. Auf erst sechs Jahrzehnte bringt es die Diesellok 199 007, die im Juli aus ihrem sonst üblichen "Schattendasein" geholt wird. 1957 in Babelsberg gebaut, war sie zunächst als Werklok bei der Feinspinnerei in Venusberg, später als Übergabelok in der Papierfabrik in Wilischthal im Einsatz. Seit 1992 verrichtet sie bei den Preßnitztalbahnern treue Dienste - zum Beispiel als Bauzug bei der Streckeninstandhaltung. Was dabei so alles passiert - sonst meist im Verborgenen - wird bei Gleisbauvorführungen im Juli gezeigt. Im Oktober schließlich dreht sich dann alles um eine ganze Baureihe: die in den Chemnitzer Hartmannwerken gefertigten IV K, die ebenfalls 125. Geburtstag feiern. Von den 96 produzierten Lokomotiven sind laut Mario Böhme derzeit noch 22 erhalten.

"Winter wie damals" heißt es im Februar bei der Preßnitztalbahn. Dazu werden am 18. Februar im Kulturhaus in Steinbach Filmvorträge zur alten Bahn gezeigt. Das ausführliche Programm des Jubiläumsjahres finden Sie unter www.pressnitztalbahn.de.


Die Interessengemeinschaft Preßnitztalbahn

Der zwischen 1988 und 1990 gegründete Verein zählt gegenwärtig 530 Mitglieder. Davon sind nach Angaben des Vorsitzenden Mario Böhme etwa 40 regelmäßig aktiv, 460 engagieren sich als fördernde Mitglieder. Der überwiegende Teil der Arbeit wird ehrenamtlich geleistet. Lediglich fünf hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt es.

Zum umfangreichen Fahrzeugpark des Vereines gehören fünf Dampfloks im eigenen Besitz, von denen vier betriebsfähig und im Einsatz sind. Drei historische Dieselloks kommen für Rangierarbeiten und für die nötigen Bauversorgungen zum Einsatz, dazu noch 27 Personen- und Güterwagen. Regelmäßig sind auch Gastfahrzeuge unterwegs. (af)

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