Junger Verein interessiert sich für Dokumente zu Alt-Zschorlau

Die Heimatfreunde des Ortes haben sich vor fünf Jahren zusammengeschlossen. Ihr aktuelles Domizil ist eine Gaststätte. Mit dem sind sie allerdings nicht so recht glücklich.

Zschorlau.

Für die Zschorlauer Heimatfreunde wird es bald wieder Zeit, auf den Heuboden zu kraxeln, Kleider für eine historische Modenschau zusammen zu stellen und auf Vordermann zu bringen. Die Vereinsmitglieder sind damit zum diesjährigen Mondfest in Zschorlau vertreten. Aber auch zum eigenen Sommerfest im September wird es eine solche Modenschau geben.

Der Verein blickt in diesem Jahr auf eine fünfjährige Geschichte zurück. Er hat 42 Mitglieder, Vorsitzende ist Ines Rehm. Die 49-Jährige hat sich im Ort auch in Sachen Familienforschung einen Namen gemacht. Ausgangspunkt war, dass sie für eine Tante zu deren 70. Geburtstag eine Familienhistorie zusammenstellen wollte. "Ich habe dazu Unterlagen bekommen und gemerkt, wenn ich einmal bis zur vierten Generation zurück gekommen bin, will ich auch etwas zur fünften erfahren und so weiter", erklärt die Zschorlauerin. Für sie zählen nicht nur die nackten Fakten, sondern sie will mehr wissen: "Wo haben die Leute gearbeitet, wo haben sie gewohnt, wie haben sie gewohnt?" Besonders interessiert ist Ines Rehm an historischen Fotos. Mit denen, die sie überlassen bekam, hat sie mittlerweile mehrere Mappen zusammengestellt beziehungsweise in Arbeit: Konfirmationen, Hochzeiten, Schulaufnahmefeiern, Fußballvereine. Zurzeit forscht sie zu den Pferdefrongütern, von denen es in Zschorlau einst sechs gab. Ihr aktuelles Projekt ist eine Häuser-Chronik. "222 Häuser habe ich mir da auf die Hörner genommen", sagt sie scherzhaft. Im Staatsarchiv Chemnitz studiert sie dafür Gerichtsbücher des Amtes Wiesenburg, zu dem Zschorlau früher gehörte. Sie orientiert sich an Ortslistennummern und findet Angaben zu Kauf oder Versteigerung. "Das lässt sich zurück verfolgen bis ins Jahr, als das Haus gebaut wurde."


Sein Domizil hat der Verein Zschorlauer Heimatfreunde in der "Wartburg". Das war früher eine Kneipe, das Gebäude nebenan eine Mühle. Dort finden jedes Jahr das Sommerfest und der Weihnachtsmarkt statt. In der "Wartburg" gibt es eine Ausstellung zur Ortsgeschichte. Erfahren kann man unter anderem etwas dazu, "wu's se ohmds hiegezugn hot", "wu's Brot gebacken wur" oder "do gob's e gute Wurscht". Aber auch Haushaltsgegenstände und Kleidung von anno dazumal sind von den Heimatfreunden zusammengetragen worden. Die meisten Stücke stammen von Zschorlauern oder haben einen Bezug zu Zschorlau. Wie die Limonadenflasche aus der Herstellung von Robert Baumann, ersteigert bei Ebay.

"Oft kommen zu uns Leute, wenn zum Beispiel ein Haushalt aufgelöst wurde. Sie fragen: Könnt ihr das gebrauchen? Natürlich können wir es erst einmal brauchen", sagt Ines Rehm. Allerdings ist die Raumkapazität in der "Wartburg" begrenzt. Ebenso ein Problem ist, dass es dort zu feucht ist, um alte Dokumente lagern zu können. Die nimmt Ines Rehm mit zu sich nach Hause. Gerne hätte der Verein ein geeigneteres Objekt als Domizil.

Der Wunsch ist Zschorlaus Bürgermeister Wolfgang Leonhardt (CDU) bekannt. "Eine Lösung habe ich dafür aber im Moment nicht, es fehlt einfach an kommunalen Gebäuden in Zschorlau. In privaten muss der Verein Miete bezahlen, die darf nicht zu hoch sein, das könnte der sich nicht leisten", umreißt er die Sachlage. Dennoch sei man ständig im Gespräch und an einer guten Lösung interessiert.

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