Kann das weg oder an die Wand?

In der Ausstellung "Upcycling" im Stollberger Kulturbahnhof bekommt auf den ersten Blick Nutzloses eine Bühne. Die Collagen lassen den Betrachter staunen und schmunzeln.

Stollberg.

Defekte Drucker, Rechner, Bügeleisen, Deckenfluter oder Wecker sind für die meisten Menschen ein Ärgernis. Aber nicht für Franko Finster. Denn er fragt sich ganz ernsthaft bei jedem Stück: Kann das weg - oder kommt es an die Wand?

Bei dem Gersdorfer heißt das konkret: "Schrott" bekommt bei ihm einen neuen Auftritt. Dann schlägt die Stunde für den kreativen Künstler, dann taucht er ab in einen Lagerraum mit Bauteilen aller Art. Weggeworfen wird von den vermeintlich nutzlosen Sachen aus den ausgedienten Geräten, die ihren Geist aufgegeben haben, höchstens die Hülle. Mit dem Inhalt der "ausgeschlachteten" Gerätschaften fertigt Franko Finster Collagen, die den Betrachter staunen - und schmunzeln lassen. In der aktuellen Ausstellung "Upcycling" im Kulturbahnhof Stollberg gibt der Gersdorfer einen Einblick, wie er seine Vorstellung von Wiederverwertung umsetzt.

Was mit einem kaputten Laserdrucker begann, hat sich inzwischen zu einem spannenden Hobby entwickelt. "Die Innenteile sahen doch alle noch top aus, mir war das alles viel zu schade zum Wegschmeißen", erinnert sich der 55-Jährige an den ersten Kontakt mit der sonst verborgenen Technik. Seitdem arrangiert er Zahnräder, Wellen, Lüfter, Kühler, Elektromotoren, Schläuche, Leiterplatten, Reißverschlüsse, Schlüssel, CD-Laufwerke so lange, bis er mit dem Ergebnis zufrieden ist. Farbspray und eine darauf abgestimmte Leinwand machen die Collagen zu Hinguckern.

"Mir ist wichtig, dass Hintergrund und technische Teile eine stimmige, harmonische Einheit ergeben", erklärt der Gymnasiallehrer für Biologie und Chemie. Bis auf einen alten Wecker stammt das gesamte Zubehör aus dem Familienbesitz. "Zum Glück sind PC, Handy und Bügeleisen in unserer Zeit so beschaffen, dass sie nicht allzu lange funktionieren, so dass ich ihren Bauteilen in meinen Werken eine neue Funktion geben kann", so Franko Finster.

Im zweiten Teil der Ausstellung stehen im heimischen Garten und auf Reisen entstandene, ungewöhnliche Fotos im Mittelpunkt. Neben zauberhaften Blumenarrangements, ungewöhnlichen Perspektiven von Gebäuden und dem Inneren von Kirchen, fallen besonders die großformatigen Foto- grafien von der Route 66, eine Collage vom Reichsbahnausbesserungswerk Chemnitz, von Uhren, bei denen es scheint, die Zeit ist verloren gegangen, oder von Nägeln auf.

"In alter Verbundenheit" nennt Frank Finster das Bild, auf dem sehr stark vergrößert dargestellte, krumme und gerade, aber allesamt sehr rostige Nägel arrangiert auf einer ebenso verrosteten Zarge zu sehen sind. "Die Idee dazu kam mir beim Ausbau einer alten Tür", erzählt der verheiratete Vater zweier Kinder über das Kunstwerk.

Die Ausstellung "Upcycling" ist bis Januar im Kulturbahnhof Stollberg, Bahnhofstraße 2, zu sehen. Geöffnet ist dienstags und donnerstags von 14 bis 17.30 Uhr.

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