Klein-Emma braucht ihren Schutzengel gleich zweimal

Die junge Schäferhündin stammt von dem Hof in Reitzenhain, auf dem vor einigen Wochen grausige Funde gemacht worden sind. Sie kam ins Tierheim nach Bockau und konnte nur durch eine Operation gerettet werden.

Bockau.

Zack - ganz fix ist Emma unter der Sitzbank verschwunden. Doch kurze Zeit später treibt die Neugier die kleine Schäferhündin wieder in die Küche des Tierheims in Bockau, wo der Welpe seit rund acht Wochen lebt. Weil er mit viel Glück überlebt hat. Emma, ihre neun Geschwister und ihre Mutter stammen von jenem Hof in Reitzenhain, auf dem zu Jahresbeginn grausige Funde gemacht wurden.

Für zwei Rinder, vier Schafe, drei Ziegen, drei Kaninchen, sechs Gänse, fünf Enten und 49 Hühner kam jede Hilfe zu spät. Sie verhungerten oder sind verdurstet. Einige Tiere aber wurden gerade noch gerettet - darunter die ausgezehrte Schäferhündin mit ihren zehn Welpen. Klein-Emma, heute zwölf Wochen alt, musste sogar zweimal gerettet werden. "Wir merkten schnell, dass mit ihr etwas nicht stimmt", berichtet Christiane Fuchs, Vorsitzende des Tierschutzvereins Aue-Schwarzenberg. Während die anderen Welpen munter das ihnen vorgesetzte Fressen verdrückten, wollte es bei Emma nicht drinbleiben. Sie erbrach sich immer nach der Futteraufnahme. "Wir ließen sie röntgen und unser Verdacht wurde bestätigt", sagt Fuchs.

Torsten Kleditzsch

Die Nachrichten des Tages:Der „Freie Presse“-Newsletter von Chefredakteur Torsten Kleditzsch

kostenlos bestellen

Die junge Hündin litt an einer Ringanomalie, ausgelöst durch eine embryonale Entwicklungsstörung. Die Aorta als größte Arterie transportiert das sauerstoffreiche Blut vom Herzen in den Körper. Beim Fötus entwickelt sie sich aus der linken Aortenbogenanlage und ist mit der Lungenarterie durch ein Gefäß verbunden, das sich nach der Geburt und dem Einsetzen der Lungenatmung bis auf ein Band zurückbildet. Im Fall von Emma aber kam es zur Ausbildung eines rechten Aortenbogens, der rechts an der Speiseröhre vorbeizieht und sie regelrecht einschnürt. Oberhalb der Verengung entsteht eine Weitung, auch Versackung genannt. Darin sammelt sich Futter oder besser gesagt sammeln die Reste, die nicht erbrochen wurden - ausreichend ernährt wird das Tier auf Dauer nicht. Es magert ab. Und ohne Hilfe stirbt es. Zudem besteht die Gefahr einer Lungenentzündung, wenn Futterreste in die Luftröhre geraten.

Eine durchaus heikle Operation, weil es ein Eingriff in Herznähe ist, hat Emma gerettet. Völlig aus dem Schneider ist der Welpe noch nicht. Zwar heilt die zehn Zentimeter lange Narbe unter dem Vorderlauf gut. Doch Emma kann nur gefüttert werden, wenn sie aufrecht auf den Hinterbeinen steht. "Damit das pürierte Futter in den Magen rutscht", erklärt Fuchs. Ob sich das bei Emma je ganz gibt, konnte der Tierarzt nicht versprechen. "Sie braucht viel Pflege und Zuwendung." Daher sei die Vermittlung schwierig, aber nicht unmöglich. "Wir hoffen, dass wir für alle Welpen dieses Wurfs liebevolle Besitzer finden", sagt Fuchs.

Mit 3000 Euro schlug die OP zu Buche - eine Stange Geld für den kleinen Verein. Hinzu kommen die Kosten für Nachuntersuchungen. "Ein paar Spenden haben uns schon erreicht. Dafür sind wir sehr dankbar und hoffen, es werden noch mehr." Der Start ins Leben sei für die niedlichen Vierbeiner bereits holprig genug gewesen. "Wir haben alle wieder aufgepäppelt, auch die Mutter, die am schlechtesten dran war."

Nun hoffen alle, dass sich schnell Interessenten finden. Fuchs: "Denn die Welpen sind jetzt in einem Alter, in dem die Prägung auf Herrchen oder Frauchen erfolgen und die Erziehung beginnen muss."

Spenden für die Operation bei Emma sind unter dem Stichwort "Emma" an folgendes Konto bei der Erzgebirgssparkasse möglich: IBAN DE86 8705 4000 3820 5126 90.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...