Klöppel klappern trotz Corona

Die Sommerakademie in Schneeberg kann auch in diesem Jahr stattfinden. Und es dreht sich nicht alles um die Maske.

Schneeberg.

Normalerweise sitzen die Teilnehmer der Schneeberger Sommerakademie in den Räumen der Klöppelschule dicht an dicht. Jeder kann dem anderen auf den Klöppelsack schauen. Ein reger Gedankenaustausch ist möglich. In diesem Jahr ist alles ein bisschen anders. Eine Gruppe arbeitet im kleinen Saal des Kulturzentrums "Goldne Sonne", die andere im Seminarraum. In beiden Räumen kann der vorgeschriebene Sicherheitsabstand eingehalten werden.

Denn aus den ursprünglich vier geplanten Kursen wurden kurzerhand zwei mit jeweils acht Anmeldungen. "Die Nachfrage war einfach nicht so groß wie sonst immer", sagt Angela Hentschel-Fritzsch. Sie ist Leiterin der Klöppelschule Schneeberg, die zum Kulturzentrum gehört. "Es gibt eben ganz viele, die einfach verunsichert sind und Angst haben. Das muss man einfach akzeptieren", fügt Hentschel-Fritzsch mit Blick auf die Corona-Pandemie an. Außerdem stand lange Zeit nicht fest, ob die Sommerakademie, die alljährlich Klöpplerinnen aus ganz Deutschland zusammenführt, überhaupt stattfinden kann.

Dass in diesem Jahr alles ein wenig anders ist, zeigt sich auch daran, dass Angela Hentschel-Fritzsch einen Mund-Nase-Schutz trägt, wenn sie den Teilnehmerinnen etwas erklärt und ihnen sprichwörtlich auf die Pelle rückt. Ihre Maske ist dabei ein wahrer Blickfang, denn die weiße Baumwollmaske ist mit einer schwarzen Klöppelspitze verziert. "Wir wollen unser Hobby doch nach außen tragen", sagt Hentschel-Fritzsch. Anlässlich eines Klöppeltreffens in Sayda habe sie ihre Maske angefertigt und dort damit wahre Begeisterungsstürme ausgelöst. "Ich finde es schade, wenn wir unsere Spitze nur in der Schublade aufbewahren. So kann sie jeder sehen. Die Maske gehört ja mittlerweile dazu", erklärt die Klöppellehrerin.

Die Alltagstauglichkeit von feiner Klöppelspitze ist auch ein Grund dafür, dass Hentschel-Fritzsch während der diesjährigen Sommerakademie einen Kurs zum Thema Spitze und Mode anbietet. Masken allerdings werden dabei nicht gestaltet. Das geschehe eher innerhalb der regelmäßigen Kurse, die es in der "Goldnen Sonne" gibt.

Während der Sommerakademie werden die acht Klöpplerinnen des Modekurses unter anderem Taschen individuell gestalten oder Bilder fertigen. Zum Start am gestrigen Montag stand bei den meisten zunächst das Entwickeln eines Klöppelbriefes auf dem Programm. Weil sich viele damit schwertun und Hemmungen beim Zeichnen haben, greift Hentschel-Fritzsch auf Blindzeichnungen zurück. "Dabei schließen die Frauen einfach die Augen und führen den Stift schwungvoll übers Blatt. Dieses wird dann auch noch gedreht", erläutert die Klöppellehrerin. Dadurch entstehen wunderbare Formen. "Anfangs war es ein bisschen schwierig", gibt Ingrid Schiefer aus Chemnitz zu, die erstmals an der Sommerakademie in Schneeberg teilnimmt. Doch der Entwurf, der aus ihrer Blindzeichnung entstanden ist, kann sich wirklich sehen lassen und wird künftig als Bild eine Wand zieren. Entstanden sind Blattranken, die die 79-Jährige in den nächsten Tagen klöppeln wird.

Karin Badstübner wählte einen anderen Weg: Die Bluse, die Angela Hentschel-Fritzsch, als Beispiel ausstellte, gefiel ihr so gut, dass sie sich an jene wagte. Die Sommerakademie sieht sie als Weiterbildung. Badstübner, die aus Gersdorf kommt, hofft, dass künftig ihre Klöppelschülerinnen, denen sie das filigrane Verbinden von Fäden lernt, davon profitieren.

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.