Knatsch um hauptamtlichen Gerätewart für Feuerwehr

Die Stadtverwaltung will eine neue Stelle schaffen, um die Retter zu entlasten. Doch braucht es diese wirklich? Der OB ist verärgert über die Debatte - und sorgt selbst mit einer Ansage für Frust.

Aue-Bad Schlema.

Sein Unmut war Heinrich Kohl (CDU) in der jüngsten Sitzung des Stadtrates förmlich ins Gesicht geschrieben. Stadträtin Yvonne Bochmann von der politischen Vereinigung "Wir sind Aue-Bad Schlema" wollte vom Oberbürgermeister wissen, was es mit dem Posten eines hauptamtlichen Gerätewarts auf sich hat, den die Stadt neu schaffen will. Denn einige Feuerwehrleute hätten ihr berichtet, dass dieser gar nicht nötig ist. Kohl reagierte erst verdutzt. Unterschiedliche Meinungen bei den Wehren dazu gebe es nicht, sagte er. Und: "Ohne diese Stelle geht es nicht." Kurze Zeit später dann die Kehrtwende. "Es ist nicht korrekt, dass das so bloß gestellt wurde", erklärte er gereizt. In Richtung der Feuerwehrleute sagte er: "Das macht man eigentlich unter sich aus."

Was war passiert? Im Vorfeld der Ratssitzung waren die Wehrleiter von Aue und Bad Schlema zu ihrer Meinung über die neue Stelle befragt worden. Aus Aue kam Zuspruch. Denn mit Hinblick auf eine stetig sinkende Anzahl an Freiwilligen bei gleichzeitig steigenden Einsatzzahlen sei eine Entlastung "dringend notwendig". Zurückhaltender die Antwort aus Bad Schlema: Mit rund 60.000 Euro seien die Kosten zu hoch und könnten an anderer Stelle besser eingesetzt werden. Zudem gehe durch Hauptamtliche der Charakter der Freiwilligkeit verloren. Ergo: Einen hauptamtlichen Gerätewart brauche es nicht.

Neu schaffen will die Stadtverwaltung die Stelle, um die ehrenamtlichen Retter bei ihrer Arbeit zu entlasten. Denn für diese ist, anders als landläufig gemeint, ein Einsatz mit der Rückkehr ins Gerätehaus oft nicht beendet. Technik wie Motorsägen und Notstromaggregate müssen geprüft und gewartet werden. Das kostet Zeit. CDU und Auer Liste, die den neuen Posten zuerst ins Spiel brachten, warnen vor "fatalen Folgen", wenn die Wehr eines Tages mit nicht einsatzbereiter Technik ausrücken müsste.

"In den kleineren Wehren ist die Wahrnehmung anders", sagte OB Kohl im Stadtrat zum Knatsch um den hauptamtlichen Gerätewart. "Aber es geht um eine Stärkung der gesamten Wehr." Ähnlich äußerte sich Parteikollege Thomas Colditz: Mit dem Posten wolle man das Ehrenamt nicht aushebeln. "Es geht um die Unterstützung der Feuerwehr, die uns am Herzen liegt." Für die neue Stelle sprach sich auch Beatrice Meichßner aus, Fraktionschefin der Freien Wähler: "Die Schmerzgrenze der zeitlichen Belastung ist erreicht." Am Ende stimmte der Stadtrat für die neue Stelle.

Wie der Entschluss in Bad Schlema aufgenommen wird, bleibt abzuwarten. Für neuen Ärger sorgt indes bei einigen Feuerwehrleuten eine Ansage Kohls an die Retter, künftig nur noch über die Stadtverwaltung mit den Stadträten Kontakt aufzunehmen. Stefan Hartung (NPD) dazu: "Das hat einen gewissen Eindruck hinterlassen." Kohl verteidigte sich wiederum. "Ihnen steht ein Verhören nicht zu", sagte er in der Ratssitzung. "Einen Bauarbeiter auf der Straße können Sie auch nicht nach der Umleitung fragen, sondern nur den Bauleiter."


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