Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz

Die Mittwochsvorlesungen im Helios-Klinikum Aue haben unlängst ein Phänomen thematisiert, das jeder kennt: Kopfweh.

Aue.

Vom leichten Pochen im Stirnbereich bis zu Übelkeit und Erbrechen vor Schmerz: Kopfweh hat verschiedene Ausprägungen. Axel Bauer, Oberarzt der Klinik für Neurologie und Stroke Unit, widmete sich diesem für viele Menschen leidigen Thema unlängst in einer Mittwochsvorlesung. Die Resonanz war groß: Rund 50 Zuhörer klebten dem Mediziner im Auer Helios-Klinikum an den Lippen.

Bundesweit leiden gut 60 Millionen Menschen häufig oder gelegentlich unter Kopfschmerzen. "Es gibt mehr als 200 verschiedene Arten", so Bauer. Dabei unterscheide man vor allem zwei Formen: Kopfweh an sich - 92 Prozent. Und Kopfweh als Symptom einer anderen Krankheit - 8 Prozent. Zu erstgenannter Art gehört die Migräne, die den Patienten erheblich peinigen kann. "Halbseitenlähmung, eingeschränktes Sichtfeld, ein Flimmern vor den Augen", zählte Bauer auf - und erntete von einigen Zuhörern leidvolles Nicken. Wohl aus eigener Erfahrung. Die Ursachen seien vielfältig. "Medikamente, bei Frauen oft die Monatsblutung, Nahrungsmittel oder auch Stress können Auslöser sein." Rollt die "Welle" im Kopf erst mal, sind Betroffene ihrem Leid meist hilflos ausgeliefert. "Das kann bei stark und häufig betroffenen Patienten sogar Auswirkungen aufs Berufsleben haben." Denn in extremen Fällen dauern Attacken bis zu 72 Stunden. Gegensteuern können laut Bauer Medikamente. Er indes empfiehlt auch vorbeugende Maßnahmen. "Da helfen Methoden wie Pilates, Yoga und Entspannungsübungen aller Art. Die haben auch keine Nebenwirkungen." Ebenso zeigen Radfahren, Joggen und Nordic Walking oft Erfolge. "Ganz geheilt werden Migränepatienten nie. Aber Linderung ist möglich." Dies gelte auch für Spannungskopfschmerz, der sich dumpf und drückend ausbreitet, aber nicht wie bei Migräne zu Übelkeit und ähnlich starken Symptomen führt.

Teils gefährlich wird es, wenn das Kopfweh "nur" Begleiterscheinung einer anderen Krankheit ist. "Gehirnblutungen und Tumore können Auslöser sein", so Bauer. Das gelte es, rasch abzuklären - vor allem, wenn Patienten sonst kaum unter Kopfweh leiden. Noch zwei weitere Arten sprach der Mediziner an. Darunter den Cluster-Kopfschmerz als extremste Ausprägung. "Da drohen Patienten teils mit Selbstmord, weil sie es nicht mehr aushalten." Das Einatmen 100-prozentigen Sauerstoffs sei da die beste Medizin. Andere Fälle sind nicht klassifizierbar, sagt Bauer. "Zum Beispiel sogenannter Orgasmuskopfschmerz, der langsam oder plötzlich beim Sex auftreten kann." Anderen Menschen leiden immer beim Aufwachen unter Kopfweh, oder der verspüren beim "Ice-Pick" messerscharfe Stiche, die einige Sekunden andauern - und dann wieder verschwinden.

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