Kräuterpädagogin gibt Wissen weiter

Wald und Wiese bieten eine Vielzahl von Stoffen, die man nutzen kann. In Zschorlau wird daraus ein Angebot für Schüler.

Zschorlau.

14 Gramm Bienenwachs, 16 Gramm Kokosöl, 10 Gramm Shea-Butter - das sind die Zutaten für ein Lippenbalsam, das Kathrin Trommer diese Woche im Ganztagsangebot an der Oberschule Zschorlau mit den Schülern hergestellt hat. Die geringen Mengen reichten aus, weil nur vier solcher Stifte geformt wurden - drei Schüler haben bisher das Angebot angenommen. "Das reicht auch. Ich muss mich ja erst einmal einarbeiten", sagt die 32-jährige Kräuterpädagogin. "Vielleicht werden es im nächsten Schuljahr schon mehr."

In ihrer bisherigen beruflichen Entwicklung gab es mehrere Umwege, zum Teil auch privaten Veränderungen geschuldet. Nach einem Studium in europäischer Geschichte in Chemnitz fand sie keinen Job, sattelte zur Einzelhandelskauffrau um, fand eine Stelle in einem Gartenmarkt in Zwönitz. Weil sie das Haus vom Vater erbte, lebt sie jetzt wieder in Zschorlau. In der dortigen Oberschule hatte sie vor einiger Zeit einfach nachgefragt, ob sie nicht Nachhilfe in Geschichte geben könnte. Das nicht, aber fürs Ganztagsangebot suchen wir immer Leute, erhielt sie zur Antwort. Und so konnte sie ihr erst vor einem Jahr erworbenes Wissen als Kräuterpädagogin in die Waagschale werfen. Absolviert hat sie die Ausbildung bei der Gundermann-Akademie in Schönheide.

Das Ganztagsangebot, bei dem es um das Verwenden von Naturstoffen geht, gibt es seit Beginn des neuen Schuljahres. "Bei den Themen orientiere ich mich an den Interessen der Schüler", sagt Kathrin Trommer. Bisher hat sie mit den Schülern Seife aus Kastanien hergestellt, zu Halloween eine Kürbissuppe gekocht, Stollenplätzchen gebacken, kurz vor Weihnachten Räucherkerzchen geformt. "Ich verknüpfe das immer mit geschichtlichen Hintergründen und Legenden zu den Themen", sagt die 32-Jährige. Dabei kommt ihr das Wissen aus ihrem Studium zugute. Für Frühjahr und Sommer plant sie Kräuterwanderungen mit den Schülern. "Das kann gleich zur Wiese in der Nähe sein. Es ist unglaublich, was man alles anstellen kann mit Pflanzen und anderen Produkten, die man in der Natur findet", sagt sie. Selbst schon immer an der Natur interessiert, war sie dennoch verblüfft, dass sie in ihrer Ausbildung gelernt hat, dass man bis zu 70 verschiedene Arten auf einem kleinen Stück Wiese finden kann - wenn man sie kennt.

Anne und Falk aus der 7. Klasse und Lea aus der 8. Klasse treffen sich in der Hauswirtschaftsküche zum Ganztagsangebot. Bei der Herstellung des Lippenbalsams fallen ihnen immer wieder Parallelen zu Unterrichtsfächern ein. Anne erkennt beim Einfüllen des Balsams in die Behälter die Oberflächenspannung. "Das hatten wir in Physik." Das zugesetzte Vitamin C, das verhindern soll, dass das Kokosöl verdirbt, darf man nicht zugeben, wenn das Gemisch noch im heißen Wasserbad steht. Denn dann zerfällt es - Wissen aus dem Unterrichtsfach Biologie. Falk will seinen Lippenbalsam seiner Mutter schenken. Er ist der einzige Junge, aber ihm gefällt das Ganztagsangebot. "Ich war schon immer an Natur interessiert", sagt er. Anne behält den Lippenbalsam für sich. Sie und Lea hatten den Wunsch geäußert, diesen bei Kathrin Trommer herzustellen.

An der Zschorlauer Schule gibt es ein breit gefächertes Ganztagsangebot. "Modelleisenbahn, Tastaturschreiben, Fotografieren wie die Profis, Französisch, Gitarre, Ergotherapie, Hausaufgabenbetreuung und natürlich verschiedene Sportarten", zählt Lehrer Thomas Schmieder auf, der für die Organisation der Ganztagsangebote in der Einrichtung zuständig ist. "Wir freuen uns, dass wir immer wieder externe Kräfte dafür gewinnen können."

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