Krise beschert Kleiderkammern eigene Sorgen

Mancher trennt sich jetzt von Dingen, die keiner mehr brauchen kann. Spürbar gestiegen ist die Nachfrage nach gebrauchten Sachen durch Corona allerdings offenbar nicht.

Aue/Schwarzenberg.

Die Zeit der Corona-Ausgangssperre haben viele Menschen genutzt, um zu Hause auf- und auszuräumen. Auch im Kleiderschrank. Das führte in manchen Regionen im Erzgebirge zu übervollen Kleidercontainern. Und in einigen Kleiderkammern, zum Beispiel im Raum Annaberg, zu eher unerwünschten Spenden. Kaputte, nicht mehr gebrauchsfähige Garderobe, wurde abgeliefert. Das macht den Betreibern Arbeit, bringt aber keinen Nutzen. In der Kleiderkammer der Caritas in Aue hatte man das geahnt und vorgesorgt: In der Corona-Zeit sind erst gar keine Sachspenden angenommen worden. "Wir hatten aber heimliche Spenden, die einfach vor die Tür gestellt wurden", sagt Caritas-Mitarbeiterin Susanne Räder. Diese Kleidung sei meist nicht verwendbar gewesen.

Momentan gilt, dass alle Sachen persönlich übergeben werden müssen. "Wir schauen dann sofort durch und sortieren aus", sagt Räder. Mehr Bedarf am Angebot der Kleiderkammer gebe es bislang nicht. Auch wenn die Epidemie mit ihren wirtschaftlichen Folgen für steigende Arbeitslosenzahlen und viel Kurzarbeit führt oder geführt hat. "Es muss sich wohl erst wieder herumsprechen, dass wir geöffnet haben", so Räder. Seit Mitte Mai läuft mittlerweile der Betrieb.

In der Kleiderkammer der Awo-Begegnungsstätte in Schneeberg hat es ebenfalls keinen sprunghaften Anstieg der Nachfrage gegeben. Aber die Mitarbeiter gehen von einer hohen Hemmschwelle aus - vor allem bei Menschen, die das Angebot bisher nie genutzt haben. Es gebe Leute, die sich schämen, gerade Rentnerinnen. Wer sich bei den Schneebergern Kleidung holen möchte, braucht einen Nachweis - zum Beispiel den Bescheid über Arbeitslosengeld II.

Das Deutsche Rote Kreuz Aue-Schwarzenberg betreibt keine Kleiderkammern, hat aber Sammelcontainer. Wie DRK-Sprecherin Silvia Lang berichtet, gibt es corona-bedingt bei Verwertern der Altkleider Absatzschwierigkeiten. Denn sie verkaufen die Textilien teilweise weiter. Wegen Corona war das über Läden in Deutschland nicht möglich. Und zu ausländischen Abnehmern seien zwischenzeitlich die Grenzen dicht, die Einfuhr wegen der Beschränkungen mitunter nicht erlaubt gewesen. "Da wird deutlich, wie weltweit vernetzt auch diese Branche ist", so Lang.

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