Kunstgruppe "Kunterbunt" erobert Rom

Italiens Hauptstadt ist Reiseziel Nummer 6 einer ganz besonderen Truppe auf Tour: Frauen und Männer aus dem Bad Schlemaer Wohnheim für behinderte Menschen. Die Malerei bringt sie weit in die Welt hinaus.

Bad Schlema.

Pinselstrich um Pinselstrich zum nächsten Reiseziel: Wenn sie malen, rücken sie auch immer ihrem nächsten Auswärtsabenteuer ein Stückchen näher. Und da ist es selbstverständlich, dass sich die Kunstgruppe "Kunterbunt" aus dem Bad Schlemaer Wohnheim für behinderte Menschen auch im zehnten Jahr ihres Bestehens wieder auf Achse begibt. "Ehrensache", sagt Mandy Paatsch und schmunzelt.

Die Heilerziehungspflegerin war es, die einst den Mut hatte, eine Kunstgruppe ins Leben zu rufen. Teils skeptisch wurde das beäugt, es mauserte sich aber zum Dauerbrenner. Denn bald schon war eine relativ feste Gruppe gefunden, die von der Malerei nicht mehr lassen will. "Es kamen neue Teilnehmer dazu. Einige hörten wieder auf. Seit einiger Zeit ist es ein relativ fester Stamm", so Mandy Paatsch, die vom Diakonischen Werk als ihrem Arbeitgeber derzeit zwar andernorts eingesetzt ist, aber am 1. Mai dennoch mit auf Reisen geht. Denn am Montag nächste Woche begeben sich fünf Mitglieder der Kunstgruppe "Kunterbunt" erneut auf große Fahrt - das Ziel bei Reise Nummer 6 heißt Rom. "Ich habe, wie schon in der Vergangenheit, wieder über die Botschaft in Italien mein Glück versucht", so Mandy Paatsch. Denn geht es darum, ihren Schützlingen ein Stück von der großen weiten Welt zu zeigen, lässt sie nicht locker. Und hatte auch diesmal Erfolg. "Wir stellen im ,Museum des Geistesverstands' aus." Dies befinde sich auf dem Gelände einer ehemaligen Psychiatrie. "Die Einrichtung befasst sich in ihrer Dauerausstellung mit der Geschichte der psychiatrischen Anstalten in Italien. Ich finde es klasse, dass die Bilder unserer Bewohner da die Blicke bald auf sich ziehen werden." Es ist nur etwa eine Handvoll Kunstwerke. "Wir nehmen die insgesamt sechs Bilder selbst mit und schicken sie nicht voraus, wie es sonst der Fall war", so die Heilerziehungspflegerin, die während der Reise wieder Unterstützung von ihrem Kollegen Alexander Förster erhält. Die beiden Betreuer sind ein eingespieltes Team, wenn es darum geht, die Heimbewohner unterwegs trotz vieler neuer Eindrücke und Bilder in Schach zu halten.

"Es freuen sich schon alle darauf", sagt Mandy Paatsch, die der zehntägigen Reise gelassen entgegensieht. Immerhin war 2015 auch ein großes Wagnis gelungen: Die erste Flugreise führte die Bad Schlemaer Kunstgruppe nach Madrid. "Es ist schon ein bisschen riskant gewesen, gerade wegen des Fliegens." So wusste keiner, wie die Reisenden mit Handicap das Abenteuer hoch in der Luft verkraften. "Aber es lief alles glatt", so Mandy Paatsch.

Nach Brüssel (2010), Den Haag (2012), Slowenien (2013), Paris (2014) und Madrid (2015) führt die Gruppenmitglieder ihr Pinselschwung nun also nach Rom. 2016 gab es eine Reisepause: Denn voriges Jahr stand die Eröffnung eines besonderen Domizils im Fokus, das auch mit Malerei zu tun hat. Die Diakonie eröffnete gegenüber des Wohnheims an der Waldstraße in Bad Schlema die 170 Quadratmeter große Werkstatt "Kunterbunt", in der kreative Köpfe ihrer Fantasie freien Lauf lassen. "Diese Räume hat unsere Gruppe inzwischen in Beschlag genommen", so Paatsch.

Einzige Bedingung neben der Leidenschaft für die Malerei: Alle Mitglieder der Kunstgruppe müssen einer Werkstattarbeit nachgehen und ihre Reise mit ihrem Lohn ein Stück weit mit finanzieren. "Das war von Anfang an so." Nach der Vernissage am 2. Mai verbringen die Erzgebirger dann noch einige Tage in der italienischen Hauptstadt. "Das wird toll", ist Mandy Paatsch sicher.

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