Lebenshilfe Aue: Vereinsarbeit klappt auch dank Alpakas

Die Lebenshilfe Aue gibt es seit genau 30 Jahren. Sie rückt Menschen mit Handicap und ihre Familien in den Fokus.

Aue.

Tiertherapie ist in aller Munde. Dabei muss es nicht unbedingt die berühmte Delfintherapie sein. Mit Alpakas ist Ähnliches zu erreichen. Diese Erfahrung hat Harald Englert gemacht. Er ist Vorsitzender des Vereins Lebenshilfe Aue. Dieser kümmert sich um die Belange von Menschen mit Handicap, macht sich für sie stark - seit 30 Jahren.

Vor zehn Jahren wurde mit Alpaka-Therapie begonnen. Der Verein arbeitet dabei mit der Alpaka-Ranch Zeeh in Bockau zusammen. "Die Tiere beruhigen die Behinderten ungemein", sagt Englert. Spaziergänge mit den Tieren seien gut für Eigenmotorik und Selbstbewusstsein. "Viermal im Jahr treffen wir uns in Bockau. Dann werden die Tiere angeleint, und wir wandern mit ihnen", berichtet der Dachdeckermeister. Bei Bedarf können Mitglieder auch Einzelbetreuung erhalten", erklärt Englert, dessen Verein 69 Mitglieder zählt. Eine Zahl, die seit Jahren ziemlich konstant bleibt.

Gegründet wurde der Verein an diesem Sonnabend auf den Tag genau vor 30 Jahren. Christel Günther, Ursula Henkel und Petra Stößer-Pfefferkorn hoben ihn damals aus eigener Betroffenheit heraus in Schneeberg aus der Taufe. "Wir sind erst im Oktober 1990 dazugekommen", sagt Englert. Seine Frau Maritta erinnert sich noch gut: "Wir haben eine Anlaufstelle gesucht, um uns mit anderen auszutauschen, weil wir selbst einen Sohn hatten, der behindert war." Und Internet gab's noch nicht. Englerts Sohn Christian wurde 1985 geboren und starb vor fünf Jahren.

"Austausch war anfangs wirklich das Allerwichtigste für uns", sagt Maritta Englert. 1993 entstand in Aue eine Geschäftsstelle mit Begegnungsstätte und familienentlastendem Dienst. Da sei es möglich gewesen, Angehörige mit Behinderung betreuen zu lassen. Das Ganze habe in einer Art Wohngemeinschaft mit Betreuungspersonal stattgefunden. Das Zentrum befindet sich bis heute in der Prof.-Richard-Beck-Straße 1 und damit in den Räumen der einstigen Physiotherapie der Wismut-Poliklinik. Allerdings wird es nicht mehr vom Verein betrieben, sondern von der Invitas Ambulant gGmbH. Die Lebenshilfe Aue ist zudem Hauptgesellschafter der Invitas Lebenshilfewerk gGmbH Schneeberg, die eine Werkstatt mit Wäscherei und Tischlerei sowie eine Wohngruppe betreibt.

Das Ehepaar Englert sieht einen positiven gesellschaftlichen Wandel. Während in den Anfangsjahren Menschen mit Behinderung wenig akzeptiert waren, sei das heute glücklicherweise kein Thema mehr. Das Sommerfest, das einmal im Jahr in Lauter gefeiert wird, ist beispielsweise ein richtiges Volksfest geworden. Deshalb bedauern die Verantwortlichen sehr, dass es wegen der Corona-Pandemie ausgerechnet im Jubiläumsjahr ausfallen muss.

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