Lebenswert-Studie: Erzgebirge hängt München und Berlin ab

Die Region bietet viele Chancen, sagt eine aktuelle Untersuchung. Wohnen und Arbeiten sind demnach entscheidende Faktoren.

Aue/Schwarzenberg.

Wenig gut bezahlte Jobs, ein dürftiges Freizeitangebot - das sind die Gründe, warum viele junge Leute dem Erzgebirge den Rücken kehren. So hieß es zumindest bisher. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln zeichnet jetzt allerdings ein anderes Bild vom Erzgebirge: Die Mieten sind im Vergleich zu Großstädten deutlich niedriger, mit Blick auf Beschäftigungschancen gilt die Region als attraktiver im Vergleich zu Städten wie Chemnitz oder Leipzig, hängt sogar München und Berlin ab.

Die aktuelle Studie "Wohnen und Arbeiten" setzt im deutschlandweiten Vergleich die bei den regionalen Arbeitsagenturen gemeldeten offenen Stellen ins Verhältnis mit den anfallenden Kosten für die Miete. So landet auch das Erzgebirge auf einem vorderen Platz. "In München kann man gut Geld verdienen", meinen die Verfasser der Studie. "Allerdings geht ein beträchtlicher Teil des Einkommens für die Miete drauf. Durchschnittlich knapp 13 Euro kostet der Quadratmeter im Monat kalt, in vielen angesagten Stadtteilen sogar deutlich mehr." Laut Mietspiegel des Internetportals Mietpreis.de liegt die Durchschnittsmiete im Erzgebirgskreis bei knapp 5 Euro pro Quadratmeter. Für den Arbeitsagenturbezirk Annaberg-Buchholz, also die Erzgebirgsregion, ermittelte die Studie des Kölner Instituts die zweitgeringste Durchschnittsmiete, damit konnte die Stadt im Bereich Wohnen 10 von 10 möglichen Punkten erzielen. Auf dem Arbeitsmarkt gehört die Region nur zu den Top 60 der attraktivsten Regionen: Auf 100 Arbeitslose kommen 51 gemeldete Stellen. Die Verfasser der Studie geben zu bedenken, dass nur etwa jede zweite offene Stelle tatsächlich gemeldet wird. Besonders gut seien die Jobchancen in Annaberg-Buchholz für Altenpflege-Fachkräfte, Bauelektriker sowie für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechniker mit abgeschlossener Berufsausbildung. Aber auch in den Berufen der spanenden Metallbearbeitung fehle es an Fachkräften. Insgesamt habe der Erzgebirgskreis im Ranking der Studie 16 von 20 möglichen Punkten erzielt, heißt es von den Verfassern. Wohnen und Arbeiten sei eine Dimension zur Beurteilung des Lebenswertes einer Region, nicht betrachtet wurden hingegen Infrastruktur und Freizeitgestaltung.

Positiv bewertet Matthias Lißke, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Erzgebirge, das Studienergebnis. "Im Erzgebirge bleibt mehr Netto übrig", sagt er. Er macht das an den Argumenten der "Heimkehrer" fest, also jener Fachkräfte, die zunächst wegen des Jobs in die alten Bundesländer abwanderten, aber in den vergangenen Jahren zurückkehrten. "Viele Menschen entscheiden zuerst über ihren Lebensraum, über die lebenswerte Region und als zweites erst über die Arbeit und das Geld", sagt Lißke. Emotionale Gründe würden viele wieder ins Erzgebirge führen, "man fühlt sich hier wohler, ist zufriedener und sicherer", kennt der Wirtschaftsförderer die Argumente. Jede positive Darstellung der Region sei gut fürs Selbstbewusstsein, so Lißke. Gleichwohl gibt er zu bedenken, dass zwei Faktoren für eine Gesamtbeurteilung einer Region nicht ausreichen.

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