Liszt hilft sogar gegen Kopfschmerzen

Beim 8. Philharmonischen Konzert in Aue sind am Sonnabend fünf scharf kontrastierende Rhapsodien erklungen. Die belebende Wirkung der Musiken überzeugte.

Aue.

Das ist doch langweilig. Fünf Rhapsodien für Orchester hintereinander. Keine Sinfonie, keine sinfonische Dichtung, kein Solo-Konzert, keine Ouvertüre. Das wäre zu beanstanden gewesen - bei einförmiger Auswahl. Als Paradestück des 8. Philharmonischen Konzerts im Auer Kulturhaus kam jedoch zum Beispiel ein faszinierender Außenseiter daher: die knallige Rhapsodie für Orchester von 1960 des 1931 geborenen Japaners Yuzo Toyama.

So wie dieses Werk beginnt kein anderes. Klangbrettchen werden aneinandergeschlagen. Mit solchem immer schnelleren, hellen Klappern kann in fernöstlichen Ländern das Meditieren eingeleitet werden. In das aufgeregte Klappern mischte sich beschwichtigend eine Klangschale, dann legten die Trommeln los. Trompeten mit Dämpfer und nach und nach der gesamte Klangkörper mit den Streichern hoben das Ganze ins Rauschhafte. Den höchstmöglichen Kontrast bot der Mittelteil der Toyama-Rhapsodie: Zu leisem Schellen schwebte feinsinnig Iwan Waltschews Querflötenspiel im Raum, in der Art von Debussy. Zuletzt legten alle Schlagzeuger los. Es hörte sich an wie die Musik zu einem Breitwandfilm, in dem lautstark eine siegesgewisse, rauflustige Armee auf Kamelen heranzieht. Yuzo Toyama leitete bedeutende japanische Orchester, setzte sich für zeitgenössische europäische Opern ein.

Torsten Kleditzsch

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Gegenstück zu Toyama: die dif- fus untergründige Rhapsodie Espagnole (1908) von Maurice Ravel. Generalmusikdirektor Naoshi Takahashi und das Orchester arbeiteten das Schweben und Wogen dieser Klangfarbenmusik eindrucksvoll durchhörbar heraus. Fast erschreckend kam der plötzliche Absturz der Musik mitten in den festlichen spanischen Klängen zur Geltung.

Nur selten zu hören ist die Rumänische Rhapsodie von George Enescu. Er hat sich über die Popularität dieses Stückes übrigens geärgert, weil anderes aus seinem bedeutenden Schaffen dadurch in den Schatten geriet. Dieses temperamentvolle, dahinstürmende Werk bekam am Sonnabend im Auer Kulturhaus den meisten Beifall.

Begonnen hatte das Konzert mit der Ungarischen Rhapsodie Nr. 2 c-moll von Franz Liszt. Die Philharmoniker spielten das basslastige Pathos des Beginns der Musik durchdringend intensiv. Im Internet bestätigen mehrere Liszt-Klicker, dass diese Rhapsodie zuverlässig gegen Kopfschmerzen hilft. "Vor zehn Minuten dachte ich noch, ich muss gleich sterben", schreibt begeistert genesen der junge Patrick Pfirrmann. In der Mitte des gut besuchten Abends erklang Dvoráks grandiose "Slawische Rhapsodie" As-Dur op. 45 Nr. 3. Die Erzgebirgische Philharmonie lieferte mit dieser Musik eine Meisterleistung.

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