Loch im Parkplatz wächst sich zum Fall für Altlast-Entsorger aus

Auf der Fläche neben dem Finanzamt Schwarzenberg wurde ein gewölbter Kanal freigelegt. Wozu er einst diente, ist unklar. Etwas anderes hingegen ist schon klar: Ein Teil des Aushubs muss auf die Deponie.

Schwarzenberg.

Erst ist es nur ein Riss gewesen. Dann ein kleines, immer noch eher unscheinbares Loch. Inzwischen gibt es dort eine Baustelle. Auf der zum Parken genutzten Freifläche neben dem Finanzamt in Schwarzenberg wurde ein alter, mit Ziegeln überwölbter Kanal freigelegt. Mitten auf dem Platz beginnt er und führt etwa 30 Meter bis zur Uferböschung am Schwarzwasser.

Auf dem Gelände stand jahrzehntelang eine Eisengießerei. Nach der Privatisierung im wiedervereinten Deutschland war ihr keine lange Existenz mehr beschieden: Im November 1993 wurde der Insolvenzantrag gestellt. Der Betrieb verschwand - erst als Arbeitgeber, dann auch aus dem Stadtbild. Die Bauten wurden - bis auf das große Wohnhaus neben der Voigtmannbrücke - abgerissen, die Fläche eingeebnet. Nun aber könnte ein schon früher zugeschütteter und deshalb längst vergessener Sachzeuge der Firmengeschichte aufgetaucht sein.

"Wir haben die Stelle durch eine Baufirma sichern und den zum Vorschein gekommenen Kanal im oberen Bereich freilegen lassen", erklärte Sylvia Mack, die im Rathaus das Hauptamt leitet, gestern auf Nachfrage. "Weil wegen der Vergangenheit der Fläche als Firmenstandort ein Altlastenverdacht besteht, wurde eine Bodenuntersuchung in Auftrag gegeben. Wir sind dabei, die Ergebnisse zu prüfen und über die weiteren Schritte zu beraten. Am Dienstag wollen wir dazu informieren."

Dem Augenschein nach besteht der Aushub vor allem aus großen und kleineren Steinen, Ziegelteilen sowie Gießereisand und Schlackebrocken. Laut Fachverband Mineralik im Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung werden auch Gießereisande und Ähnliches - neben Elektroofenschlacken, Aschen und Schlacken aus der Müllverbrennung - als sogenannte industrielle Nebenprodukte den mineralischen Abfällen zugeordnet. Diese könnten im Allgemeinen nach entsprechendem Aufbereiten einer Verwertung zugeführt werden, zum Beispiel als Baustoffe in technischen Bauwerken und Bauprodukten oder auch als Düngemittel. Ob das im jetzigen Fall in Schwarzenberg möglich ist, scheint aber zumindest fraglich.

"Ein Teil des untersuchten Materials ist laut analytischer Prüfung nicht unbedenklich und auch nicht verwertbar, muss also als Abfall deponiert werden", erklärte Geschäftsführer Werner Preuß von der Artec Umweltpraxis GmbH Lößnitz. Die führt auch Boden- und Altlastenuntersuchungen aus, so wie jetzt an Proben aus Schwarzenberg. Beim Sandgussverfahren, das auf diesem Standort früher zweifellos angewendet wurde, werden Metalle oder andere Werkstoffe in Formen aus Sand gegossen. Um beim Herstellen der Formen den Grundstoff Sand zu stabilisieren, sind Bindemittel notwendig, zum Beispiel Ton mit Wasser oder Öl. "Beim Härten werden diese Formen einigen tausend Grad ausgesetzt. Da kommt es bei den Bindemitteln zu thermischen Veränderungen", so Preuß. Ob eine latente Umweltschädlichkeit aber wirklich wirksam wird, hängt unter anderem von der Wasserlöslichkeit des Materials ab. Wenn der Bundesfachverband Mineralik vom möglichen Wiederverwenden von Gießereisanden spricht, trifft das laut Preuß auf jahrzehnte-, wenn nicht jahrhundertealte Sande so nicht ohne Weiteres zu. "Die Technologien zur Formherstellung haben sich im Vergleich zu früher verändert - auch welche Bindemittel genutzt werden."

Unabhängig vom Aushub auf der Fläche zwischen Karlsbader Straße und Schwarzwasser steht die Frage, wozu der jetzt freigelegte Kanal einst diente. Laut Stephanie Etzold aus dem Stadtbauamt haben Nachforschungen im Bauaktenarchiv, im Kreisarchiv und im Staatsarchiv bisher nichts ergeben. Gegen die Theorie von einem Überlauf des ehemaligen Betriebsgrabens spricht das Fehlen einer Austrittsöffnung am Fluss.

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