Lößnitzer Oberschüler starten neuen Unterricht

Das Fach heißt PTU und setzt seit Dienstag auf Praxis in Unternehmen

Lößnitz.

Die ersten Schüler der Oberschule Lößnitz beginnen am heutigen Dienstag mit einem Unterrichtsfach, das im Erzgebirge seinesgleichen sucht: dem Praktischen Tag im Unternehmen (PTU). Statt in die Schule zu gehen, besuchen die Mädchen und Jungen einen Betrieb ihrer Wahl. Bis zu den Sommerferien werden sie das alle zwei Wochen wiederholen. Insgesamt nehmen sieben Hauptschüler der Klasse 8 und 39 Realschüler der Klasse 9 daran teil, sagt Schulleiterin Kerstin Scheffler.

Zwar ist es Zufall, dass die Buchstaben der Abkürzung dieselben wie beim UTP aus DDR-Zeiten sind, aber der damalige "Unterrichtstag in der Produktion" lief ähnlich ab. Statt Theorie erwartet die Schüler Praxisarbeit. Die Zeiten orientieren sich an denen des gastgebenden Unternehmens. "Für manche geht der Tag um 7 los, für andere 9 Uhr, einige fangen 13 Uhr an, als hätten sie Mittelschicht", sagt Praxisberater Thomas Solbrig. Die neue Unterrichtsform ist Teil der Berufsorientierung. "Die Schüler sehen, wie es in der Praxis wirklich zugeht. Das dient dazu, den eigenen Berufswunsch zu festigen oder falsche Vorstellungen geradezu- rücken." Die Schule hoffe, damit einen Beitrag zur Senkung der Abbrecherquote unter Azubis zu leisten, die in Sachsen bei 28 Prozent liegt.

Der PTU ist die zweite Phase des Unterrichtsfachs WTH (Wirtschaft, Technik, Hauswirtschaft/Soziales), das es auch an anderen Schulen gibt. Die Lößnitzer haben die üblicherweise verstreuten Praktika gebündelt: Im ersten Halbjahr gibt es nur Theorie, im zweiten Halbjahr nur Praxis. Das Projekt wurde gemeinsam mit der Arbeitsagentur entwickelt, die bei der Vermittlung der Unternehmen half. Andere Betriebe wurden von den Schülern gesucht.

Zu den Praktikumsbetrieben gehören fast alle größeren Unternehmen in Lößnitz wie die Gießerei, die Eidam-Landtechnik und das Johanniter-Altenpflegeheim. Dazu kommen das Helios-Klinikum, Curt Bauer und die Nickelhütte in Aue, der Porsche-Werkzeugbau in Schwarzenberg, das Krankenhaus in Erlabrunn. "Insgesamt fast 30", sagt Schulleiterin Scheffler. "Auch kleine Handwerksbetriebe sind dabei." Voraussetzung sei, dass es sich um Ausbildungsbetriebe handelt.

Den Firmen helfe der PTU dabei, Praktikanten sinnvoller einzusetzen und Berufsnachwuchs zu gewinnen. "Ich denke, PTU wird Schule machen", sagt Kerstin Scheffler. Die Stadtschule Schwarzenberg hat sich am Montag in Lößnitz über das Unterrichtsmodell informiert.


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