Lößnitzer öffnen ihr Schnitz-Depot

Der Schnitz- und Berg-verein der Muhme wird 140 Jahre alt. Zum Jubi-läum gibt es eine große Ausstellung - und Antwort auf eine alte Frage.

Lößnitz.

Die Lößnitzer Schnitzer genießen seit jeher einen guten Ruf. Vor allem im 19. Jahrhundert wurden Figuren aus der Muhme in alle Himmelsrichtungen verschickt, sodass man heute in bedeutenden Ausstellungen immer wieder auf ältere Schnitzkunstwerke aus den Händen eines Lößnitzers treffen kann. Aber auch später machten die Männer von Schnitz- und Bergverein - so heißt er seit der Wende - immer wieder von sich reden. Sie bauten eine Pyramide für den DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck, und die Konstruktion der Lößnitzer Ortspyramide, die binnen kürzester Zeit mit einem Flaschenzug aufgerichtet werden kann, ist ein Wunderding.

Jetzt feiert der Verein seinen 140. Geburtstag. Aus diesem Anlass öffnen die Schnitzer ihr Depot und zeigen in der früheren Dampfbrauerei Schwarz auf drei Etagen einen Teil ihrer Schätze aus allen Epochen der Vereinsgeschichte. Die älteste Pyramide stammt von 1890. Gebaut wurde sie von einem Strumpfwirker namens Heindel, und auch sie ist eine technische Besonderheit. "Er funktionierte einen dünnen Faden, aus dem er sonst Strümpfe fertigte, zum Transmissionsriemen um", sagt Vereinssprecher Otfried Spindler (80). "Über diesen Faden treibt die Mittelspindel zwei Teller an. Es ist wohl die einzige Pyramide, die in der unteren Etage zwei Teller hat."

Herzstückder Ausstellung sind die beiden großen Weihnachtsberge. Der eine zeigt in 15 Bildern das Leben von Jesus Christus von der Geburt bis zur Wiederauferstehung. Der andere, immerhin 19 Quadratmeter groß, stellt das mittelalterliche Lößnitz dar. Die Weihnachtsberge sind auch der Grund, weshalb es den Verein gibt. "In Lößnitz hatte damals fast jeder einen Weihnachtsberg zu Hause", sagt Spindler. "Die Leute besuchten sich gegenseitig, tauschten sich aus. Jeder wollte den schönsten Berg haben." 22 Lößnitzer schlossen sich 1879 zum Bergverein zusammen. Mitglied durfte nur werden, wer einen Weihnachtsberg mit einer Krippe, drei Hirten und zwölf Schafen sein Eigen nannte.

Obwohl der "Berg" im Vereinsnamen auf Weihnachtsberge zurückging, gaben sich die Mitglieder bergmännische Namen: Der Vorsitzende hieß Bergverwalter, sein Stellvertreter Obersteiger, einfache Mitglieder waren Berggenossen. Dabei ist Lößnitz gar nicht für Bergbau bekannt. Warum dann diese Bezeichnungen?

Otfried Spindler, der zum Jubiläum eine neue Abhandlung zur Vereinsgeschichte veröffentlicht hat, fand eine Antwort: "In Lößnitz gab es bis zu 50 Schieferbrüche, um 1879 arbeiteten 554 Schieferbrecher hier. Das war Bergbau. Die Leute im Verein nahmen die Bezeichnungen aus Stolz auf ihre Bergbautradition an."

Die Schnitzausstellung in Lößnitz läuft vom heutigen Samstag bis einschließlich 3. März. Geöffnet ist jeweils Donnerstag bis Sonntag von 13.30 bis 18 Uhr. Ausstellungsort ist die Lößnitzer Brauerei am Niedergraben 11. Parkplätze gibt es direkt an der B 169.

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