Luxuskosmetik aus Bad Schlema für russische Millionärinnen

Eine kleine Manufaktur in Bad Schlema stellt Hautpflegemittel her, die bis zu 1500 Euro kosten. Das Geschäft boomt - vor allem in Asien und den USA.

Bad Schlema.

Teil eins der nächsten Lieferung nach Russland steht schon in der Lagerhalle bereit: Zu Türmen aufgestapelte Kartons voll mit Luxuskosmetika. Es sind Cremes, Parfüms und Fläschchen mit hochpreisigem Serum, die nach Moskau und Sankt Petersburg geliefert werden. Es sind Artikel der Firma Medical Beauty Research (MBR) in Bad Schlema, die von Parfümerien und Kosmetikgeschäften verkauft werden an alle, "die sie sich leisten wollen", wie es in einem Beipackheftchen heißt.

1500 Euro kostet das "Liquid Surgery Serum", das teuerste Einzelprodukt der Firma. Auch andere Produkte sind alles andere als billig: Ein Körperpeeling für Frauen wird im Internet für 20 Euro verkauft, dahinter reicht die Preisspanne bis zu einem Anti-Aging-Set, das reiferen Kunden für 4500 Euro eine Verjüngungskur verspricht. In den USA, in Russland, in arabischen Ländern und in Südost-Asien "explodiert die Nachfrage momentan", wie die Markting-Mitarbeiterin der Firma, Sybille Jüngel, erklärt. Einerseits werde das Unternehmen im Ausland langsam bekannter, "andererseits haben in Asien und im arabischen Raum Gesichts- und Körperpflege noch einen höheren Stellenwert. Auch in Russland gibt es eine wohlhabende Zielgruppe." Und die schwöre geradezu auf die Luxuskosmetik aus Bad Schlema.


Auf den Innenseiten einiger Cremetiegel glitzert das Segel-Symbol des Kurorts in feinen Goldlinien: Ein Stück Bad Schlema in den Badezimmer-Vitrinen russischer Millionärinnen. Dabei drängt sich die Verbindung zwischen MBR und der internationalen Luxuswelt äußerlich nicht unbedingt auf: Die Firma liegt unscheinbar zwischen hohen Bäumen an einer etwas holprigen Straße, die sich hinter einer Disko einen Hang hinauf schlängelt.

Vor zwei Jahren ging es geschäftlich bergauf, als MBR in Bad Schlema umzog, "weil das kleine Lager im alten Gebäude an der Anton-Günther-Straße schon aus allen Nähten platzte", wie sich Jüngel erinnert. Das Wachstum zeigt sich auch am Eigenkapital der Firma: Das stieg im Jahr 2014 von rund 1,8 Millionen Euro im Vorjahr auf 2,1 Millionen Euro. Vor allem im Ausland sei die Nachfrage zuletzt weiter gestiegen.

Unter dem Dach der Firma MBR werden Hautpflegecremes der gleichnamigen Marke produziert - und Produkte der Marke "Medical Spirit of Beauty" (MSB). Willi Hermann Watkowiak, der neben Ingo Bender Geschäftsführer bei MBR ist, ist außerdem Inhaber der "Skin Care Manufaktur", die als eigenständige GmbH im MBR-Gebäude die Hautpflegeserie "21-Trans-Dermal" produziert.

Watkowiak gründete MBR 1999 in Hamm in Nordrhein-Westfalen. Kurz danach zog die Firma ins Erzgebirge "weil die Region aufgrund ihrer Bodenständigkeit und der Handwerkstradition einen guten Ruf hat", sagt Jüngel. Laut einem Slogan der Firma verkauft MBR "Hautpflege an der Grenze zur Medizin". Entwickelt würden die Rezepturen von Ärzten und Wissenschaftlern in einem Labor in Hagen. Die Marketing-Chefin nennt die Produkte "die kleinsten Skalpelle der Welt."

Klar ist: In der Kosmetikbranche wimmelt es von solchen Versprechen. Doch wie kommt es, dass immer mehr Kunden in Taiwan oder Südkorea die Produkte aus dem Erzgebirge wollen? Und warum sollte man hierzulande Cremes für 400 Euro kaufen, wenn preiswerte aus Discounter-Regalen bei Stiftung Warentest teils bessere Ergebnisse erzielen als teure Artikel? "Gegen günstige Cremes habe ich nichts einzuwenden, es gibt viele, die damit zufrieden sind", sagt Jüngel. "Aber unsere Produkte haben schon eine bessere Wirkung", findet sie. Eine Wirkung, die MBR auch durch Studien bestätigen lasse.

Wie hoch die Gewinnmarge beim Verkauf der hochpreisigen Tiegelchen ist, mag die Marketing-Managerin nicht verraten. Deren Preis aber sei wegen der Hightech-Wirkstoffe wie Perfluorodecalin gerechtfertigt. "Dies ist ein Hämoglobin-Ersatzwirkstoff, der die Sauerstoffaufnahme der Hautzellen ankurbelt", sagt die Mitarbeiterin. "In unseren Produkten sind die maximal zugelassenen Konzentrationen einiger Hightech-Wirkstoffe enthalten", sagt Jüngel. Die hohe Dosierung mache die Wirksamkeit aus.

Andererseits entstehe der Preis "durch den Manufaktur-Charakter bei der Herstellung." In Bad Schlema füllen die Mitarbeiter die Cremes zwar mit Maschinen in die Tiegel, allerdings liefen die Geräte nicht voll automatisch und müssten manuell eingestellt werden. Auch würden die Döschen von Hand verziert.

28 Mitarbeiter sind am Standort in Bad Schlema tätig, sieben weitere kümmern sich um den Vertrieb. Sybille Jüngel räumt ein, dass für den Verkaufserfolg auch Psychologie eine gewisse Rolle spiele: "Die Wirkung macht unsere Produkte aus. Aber klar, der Glaube kann Berge versetzen."

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