Marathon an der Orgel ist gelungen

Klingendes Jubiläum in Sankt-Wolfgangs-Kirche

SCHNEEBERG.

Zu jeder vollen Stunde spielte am Samstagabend einer von vier Musikern zum 20. Jubiläum der großen Jehmlich-Orgel in der Schneeberger Sankt-Wolfgangs-Kirche auf. Der erste war der Nicht-Organist Gernot Müller aus dem Ortsteil Griesbach. Vor Beginn hörte man munkeln, der weithin bekannte freischaffende Musiker sei sehr aufgeregt. Nach seiner Darbietung mit Anklängen an Jazz und Swing wurde er vom Publikum kräftig gefeiert, dann kamen Leute auf ihn zu, und er freute sich mit großen Augen über die Erfüllung seines insgeheimen Wunsches als Musiker: "Einmal im Leben Marathonlauf!" Den hatte er an den Manualen bestanden. Denn das Orgelspielen ist ein technischer Kraftakt, und ob dieser ihm gelingen würde, war offen.

Im Verlauf des Abends spielten noch Martin Seidel aus Lößnitz, Andreas Conrad aus Zschorlau und der Schneeberger Kantor Alexander Ploß. Der Kantor hielt vorab vor viel Publikum eine kleine Ansprache. "Etwa 130 Organisten waren in den 20 Jahren zu Gast und begeistert von dem Instrument."

Beim Konzert anwesend war auch die Dresdner Orgelbau-Familie Jehmlich. Sie hatte eine Ausstellung mitgebracht mit dem Funktionsmodell einer Orgel, Teilen von kleinen Pfeifen und großen Aufstellern zur Geschichte der Dresdner Firma. "Es muss ein Gänsehaut-Moment gewesen sein, als die Orgel vor 20 Jahren erstmals erklang", sagte Alexander Ploß in seiner Rede.

Es herrschte viel Betrieb 1998 vor dem ersten großen Konzert. Denn auch die Medien interessierten sich für die neue Orgel. Die Best-of-Orgel-Frage aller Zeiten stellte damals kurz vor dem ersten Orgelkonzert in einem Interview ein scharfsinniger, musikfester Journalist aus dem fernen Chemnitz: "Wo sehen Sie den wesentlichen Nutzen der neuen Orgel?" Tja, gute Frage. Da hatte wohl der tüchtige Förderverein zum Wiederaufbau der Orgel den wichtigsten Gesichtspunkt einfach fahrlässig übersehen und die fast zwei Millionen Mark in ein nutzloses Projekt gesteckt.

Die Frage war an Pfarrer Frank Meinel gerichtet gewesen. Was er für ein Gesicht gemacht hat, ist nicht überliefert. Mit Gottes blitzschnellem Beistand fand er jedoch eine gute Antwort: "Darin, dass sie Menschen anzieht. Für viele Christen ist die Kirche mit der Orgel natürlich erst komplett." (pau)

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