Mehr Krebs-Patienten: Neuer Arzt hilft

Marie-Luise Müller hat für ihre internistische Praxis in Bad Schlema einen Kollegen eingestellt. Grund dafür ist der steigende Bedarf, und es gab keinen anderen Weg, sie zu entlasten.

Bad Schlema.

Bei den Patienten von Maria-Luise Müller geht es nicht um einen Schnupfen, sondern um Leben und Tod. Seit fast 20 Jahren betreibt die Ärztin in Bad Schlema eine internistische Schwerpunktpraxis in den Bereichen Hämatologie und Onkologie. Die Zahl der Patienten, die unter Krankheiten des Blutes oder unter Krebs leiden, sei in den vergangenen zwei Jahren rasant gestiegen. "Ich schaffe es allein nicht mehr", sagt Müller.

Deshalb hat sie sich Verstärkung geholt und mit Marcus Rönitz eingestellt. "Sonst ist es nicht mehr zu stemmen", so Müller. Sie ist Anfang 60 und zieht ihren Arztkollegen auch als potenziellen Nachfolger heran. Zunächst aber wollen beide ihre Sprechzeiten ausbauen - aufgrund des gestiegenen Bedarfs im Bereich der Behandlung, Therapie und Nachsorge aller Arten von Krebs und Blutkrankheiten. Zusätzlich soll es ambulante Angebote in der Palliativmedizin und einen sogenannten Home-Care-Service geben, einen Zuhause-Service.

Müller: "Zum einen sind einfach bessere Diagnosen möglich, damit steigen auch die Fallzahlen." Zum anderen, so Rönitz, sei die Onkologie ein Gebiet, auf dem unentwegt geforscht wird. "Es gibt quasi laufend Neuheiten und Umwälzungen, neue Therapien und Ansätze zur Behandlung." Das wirke sich auf den Praxisbetrieb aus, weil mehr möglich ist. Rönitz: "Ich führe da nur die personalisierte Tumormedizin an, die es erlaubt, eine Therapie direkt auf die molekulare Struktur des Tumors abzustimmen, um Nebenwirkungen zu verringern und bessere Ergebnisse zu erzielen."

Solche Entwicklungen seien gut für die Patienten. "Sie haben dadurch im Vergleich zu früher selbst mit einer schweren Diagnose wie Krebs teils eine höhere Lebenserwartung bei besserer Lebensqualität." Das aber setzt eine optimale Versorgung voraus - und diese in der Praxis zu leisten, kostet Zeit. "Wir führen oft intensive und ausführliche Gespräche, weil die Patienten das brauchen", so Müller.

Zudem habe man es vor allem mit älteren Leuten zu tun. "Und deren Zahl steigt." Dennoch ist das Einzugsgebiet von Müller - es erstreckt sich übers Westerzgebirge bis Chemnitz, Zwickau und Annaberg - zulassungsgesperrt. "Es kann sich also kein weiterer Kollege auf diesem Gebiet hier niederlassen." So führte der einzige Weg zur Entlastung über die Anstellung von Rönitz in der Praxis.

Die beiden lernten sich zufällig kennen, da Müller seit Jahren eng mit Fach- und Hausärzten, aber auch mit Kliniken zusammenarbeitet. Rönitz ist seit 2010 am Klinikum Chemnitz tätig, zuletzt als Oberarzt für Innere Medizin mit Hämatologie, Onkologie und Stammzellentransplantation. Zudem trug er Verantwortung für eine Leukämiestation und betreute eine Ambulanz für Hämatologie und Onkologie. Der Wechsel in die niedergelassene Praxis bedeutet für den Chemnitzer einen großen Schritt. "Ich freue mich darauf." Auch Marie-Luise Müller wechselte 1999 nach 20 Jahren als Klinikärztin in die eigene Praxis. "Und ich habe es nie bereut."

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