Meleghy Automotive baut neue Fabrik - aber nicht in Bernsbach

Der Automobilzulieferer investiert 40 Millionen Euro in seine Zukunft. Das ist gut für die Firma und erhält alle Jobs. Für die Stadt bedeutet es dennoch einen Aderlass.

Bernsbach/Lößnitz.

Rutschende Lastwagen bei Schneeglätte auf dem Berg von Aue nach Bernsbach, alle Winter wieder. Fast hat man geahnt, dass das nicht ewig so weitergehen würde. Diese Woche hat Gyula Meleghy, Chef des Familienunternehmens Meleghy Automotive, bekanntgegeben, dass die traditionsreichen Blechformwerke Bernsbach die Stadt nach 110 Jahren verlassen werden, wenn auch mit einer klaren Perspektive und nicht sofort. Auch das Zweigwerk in Lößnitz schließt.

Für 40 Millionen Euro baut das Unternehmen eine komplett neue Fabrik im Gewerbegebiet Reinsdorf bei Zwickau, direkt an der Autobahn 72. Die neue Fertigung soll laut Meleghy "so groß wie zwei Fußballfelder" werden, etwa 20.000 Quadratmeter. Alle Jobs, die das 350-Mann-Unternehmen derzeit in Bernsbach und Lößnitz bietet, sollen erhalten bleiben. "Wegen des Umzuges wird keiner entlassen", sagte Gyula Meleghy. Die 25 Kilometer Arbeitsweg nach Reinsdorf seien zumutbar.


Meleghy, der den erzgebirgischen Automobilzulieferer nach dessen Insolvenz vor fünf Jahren übernommen und zu alter Stärke zurückgeführt hatte, nannte logistische Standortnachteile als Grund für den geplanten Weggang. Zu den Verkehrsproblemen für schwere Lieferfahrzeuge im Winter komme vor allem die schlechte Anbindung an die Autobahn. Auch sei das Werk von einer Hauptstraße zerschnitten. "Wir sind in Bernsbach von der Topografie benachteiligt", sagte Meleghy.

Werkleiter René Göbel erläuterte das näher: "Unser Werkzeuglager ist unten, das Presswerk oben. Wir müssen Teile über die Straße transportieren. Das ist ein Aufwand, den dir heute kein Kunde mehr bezahlt." Die neue Fabrik in Reinsdorf werde für die Erfordernisse der Produktion maßgeschneidert. Der erste Spatenstich soll am 28. Juni gesetzt, der Roh- bau im Frühjahr 2020 fertig werden.

Laut Meleghy schafft das Unternehmen mehr als 70 Roboter an, um einen neuen Großauftrag für Elektrofahrzeuge des Volkswagenkonzerns bearbeiten zu können. Parallel dazu würden nach und nach 70 weitere Roboter aus Bernsbach nach Reinsdorf verlegt, um dort die bisherige Komponentenfertigung fortzusetzen. Allerdings werde die Fabrik in Reinsdorf ein sogenanntes Fügewerk sein, in dem Einzelteile zu Baugruppen verschweißt, verklebt oder verlötet werden. Das Presswerk verbleibe in Bernsbach und werde mittelfristig stillgelegt. Sobald Arbeit aus Bernsbach nach Reinsdorf verlagert wird, wolle man schrittweise die Fertigung aus Lößnitz nach Bernsbach versetzen. "Wir schätzen, dass der Standort Lößnitz noch zwei bis drei Jahre besteht", sagte Meleghy. "In Bernsbach sind es fünf Jahre."

Den Beschäftigten, die künftig nach Reinsdorf zur Arbeit fahren müssen, werde das Unternehmen im ersten Jahr mit einer Beihilfe unter die Arme greifen. "Wir wollen die Tradition und das Know-how aus Bernsbach mit modernen Anlagen in Reinsdorf kombinieren", so Meleghy. "Bei unseren Kunden kommen die Pläne sehr gut an."

Weniger erfreut zeigt sich Lauter-Bernsbachs Bürgermeister, Thomas Kunzmann (Freie Wähler). "Die Entscheidung tut weh", sagte er. "Nach der Übernahme durch Meleghy hatten wir gedacht, dass das Blechformwerk eine lange Zukunft hat. Natürlich ist es gut, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben, aber sie bleiben eben nicht im Ort erhalten. Junge Leute, die nach Reinsdorf zur Arbeit pendeln, entschließen sich vielleicht, auch gleich in Zwickau eine Familie zu gründen. Für uns ist das dann ein weiterer Verlust."

Was aus den Standorten Bernsbach und Lößnitz wird, ist offen. Gyula Meleghy stellt sich eine Vermarktung als Gewerbegebiet vor.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...