Mit dem Handy durchs Museum - Stadt modernisiert Papiermühle

Das Industriedenkmal gilt als Top-Sehenswürdigkeit - für die sich zuletzt aber immer weniger Besucher interessierten. Mit einer Millioneninvestition will Zwönitz gegensteuern.

Zwönitz.

Sie ist deutschlandweit einzigartig: die Papiermühle in Zwönitz. Das technische Denkmal wurde im Jahr 1568 erstmals urkundlich erwähnt und gilt als die älteste noch funktionstüchtige Papiermühle der Republik. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts stellte man hier handgeschöpftes Büttenpapier her.

Doch für die Schaustätte und ihre Geschichte begeisterten sich zuletzt immer weniger Touristen: Seit Jahren sinken die Besucherzahlen - wohl auch, weil größere Investition ausblieben. Museumsleiter Eckhard Stölzel nennt als Beispiel die große Handpappenmaschine, die aus dem 19. Jahrhundert stammt und mit ordentlichem Tamtam Papierbrei in Pappe verwandeln kann. Ein Spektakel, sagt er, das man früher auch live den Gästen vorgeführt habe. "Im Moment geht das aber nicht." Denn das große Wasserrad, das die Maschine antreibt und hinter dem Haus steht, sei kaputt. "Jahrelang wurde nichts Tiefgreifendes gemacht", sagt er und legt seine Stirn in Falten. Doch das soll sich nun ändern.

Die Stadt Zwönitz plant eine Millioneninvestition, um die Sehenswürdigkeit fit für die Zukunft zu machen. Bürgermeister Wolfgang Triebert (CDU) hat als Ziel vorgegeben, dass statt der 3600 Leute, die aktuell im Jahr die Ausstellung besuchen, künftig gut 10.000 Gäste kommen. Damit das klappt, wird das Museum interaktiv. Über W-Lan sollen sich Gäste auch per Handy Informationen zu den Ausstellungsobjekten aufrufen und das Haus allein erkunden können. Doch das ist noch lange nicht alles. Das komplette Ausstellungskonzept wird überarbeitet und das Gebäude in zwei Bauabschnitten aufwendig saniert. Zudem will man das alte Wasserrad austauschen. Geplante Kosten: insgesamt rund 1,4 Millionen Euro.

Stadtchef Triebert sagt: "Wir heben das Museum auf ein neues Niveau." Besucher könnten künftig erleben, wie in der Papiermühle in den 1930er-Jahren gelebt und gearbeitet wurde. Museumsleiter Stölzel begrüßt die Investition. Ob am Ende aber die erhoffte Besucheranzahl von 10.000 Leuten erreicht wird, sieht er skeptisch. "Da glaube ich noch nicht dran."

Für den ersten Bauabschnitt hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung mehrere Bauarbeiten im Wert von 365.000 Euro vergeben, darunter für ein neues Leitsystem, den Rohbau, den Mühlenbau und die Elektro- sowie Zimmererarbeiten. Baustart war diese Woche; mit dem Abschluss wird im Oktober gerechnet. Die Arbeiten werden bei laufendem Betrieb durchgeführt. Kurzfristig könne es deshalb zu kleineren Einschränkungen kommen, erklärt Stötzel und bittet Besucher, sich vorab anzumelden.

Der zweite, deutlich teurere Bauabschnitt soll laut Triebert im Frühjahr nächsten Jahres starten. Vorgesehen ist, im Zuge der Arbeiten ein neues Foyer im Erdgeschoss einzurichten, mit Kassen- und Empfangsbereich. Im Kopfbau der Papiermühle entstehen zudem neue Sanitäranlagen und Büroräume. Auch im Außenbereich soll sich einiges tun: So wird der Spielplatz umgesetzt und vergrößert.

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