Mit makellos reinen Stimmen

Tölzer Knabenchor gibt Konzert in St. Wolfgang

Schneeberg.

Er ist nicht weniger berühmt als der Thomaner- oder der Kreuzchor, obwohl er erst in den 1950er-Jahren gegründet wurde: der Tölzer Knabenchor. Das Ensemble gab in der Schneeberger St.-Wolfgang-Kirche ein geistliches Konzert unter dem Titel "Gebirgsgrüße aus den Alpen". Das Konzert wurde vom Deutschlandfunk mitgeschnitten.

Viele Zuhörer waren gekommen. Höhepunkt des festlichen Abends war die Zugabe, Anton Bruckners "Ave Maria", ein Dankgebet. Der Chor entfaltete die Stimmen vom fast Unhörbaren des Beginns zu den strahlenden Höhen der Mitte, bis zum raunenden Verlöschen makellos rein. Dann verließ der Chor, rote Masken auf den Gesichtern, den Altarraum.

Das Konzert fand innerhalb des Musikfests Erzgebirge statt. Dirigent Dr. Clemens Haudum, Arrangeur und Leiter des Chores, agierte gemeinsam mit Andreas Stadler, der zwei kleine Orgeln spielte, und Michael Schönfelder, der mit einer Violone, einer Art Kontrabass, zeitweise das klangliche Fundament lieferte.

Begonnen hatte das Konzert mit dem Chor "Unser Leben ist ein Schatten", das wahrscheinlich von Johann Sebastian Bachs Großonkel Johann Bach (1604 bis 1673) stammt. Diese außerordentlich kunstvolle Musik könnte den Zeitgenossen skurril in den Ohren geklungen haben und war ein überraschender Auftakt. Viel gespielt wird das geruhsame "Panis angelikus" (Engelsbrot) wegen seiner melodischen Schönheit. Im Mittelpunkt des dreistimmigen Chores leuchtete ein kräftiges Knabensolo.

Das Gesamtwerk des Sinfonikers Anton Bruckner ist in höchstem Maße geistlich inspiriert. Seine Motette "Virga Jesse" (Die Wurzel Jesse) enthält das 200 Jahre alte "Dresdner Amen", das beispielsweise Wagner in seinem Bühnenweihfestspiel "Parsifal" verwendete. Der Tölzer Knabenchor stellte die weihevolle Strenge dieser aufsteigenden Musik äußerst stimmkräftig heraus. Für das Konzert gab es viel Beifall. (pau)

00 Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.