Museum Schneeberg zeigt "Zugewinn"

Das Museum für Bergmännische Volkskunst besteht 90 Jahre. Eine Sonderausstellung stellt Ankäufe und Schenkungen des vergangenen Jahrzehnts ins Rampenlicht.

Schneeberg.

Auch Kindern kann die neue Sonderausstellung "Zugewinn - Ankäufe, Schenkungen, Restaurierungen der letzten Jahre" im Museum im für Bergmännische Volkskunst von Schneeberg gefallen. Denn ein Kaufmannsladen vom Anfang des 20. Jahrhunderts wird für platte Kindernasen an der Vitrine sorgen. Selbst Erwachsene bestaunen - nicht völlig frei von nostalgischen Anwandlungen - das Objekt.

Bestaunt wurde der alte Kaufmannsladen dann auch von einer Besucherin aus Japan, die bereits vor der Öffnung des Museums auf der Straße gewartet hatte, dass die Einrichtung öffnet. Das Exponat wirkt wie ein Magnet, und mancher wird komplett alle diese Schildchen an den Schubkästen lesen: Candis, Gewürze, Kartoffelmehl, Rosinen. Man sieht Einkaufstüten mit der Aufschrift "Der kleine Kaufmann", und sogar ein winziges Päckchen Starkreiniger "Imi" lugt aus dem Regal. Die weiße Waage mit einem großen Stück Käse darauf erinnert manchen betagten Besucher an seine Kindheit in der DDR.


Das Museum hat im vergangenen Jahrzehnt zahlreiche Stücke geschenkt bekommen, da stellt sich automatisch die Frage: Was hätte das gekostet? Museumsleiterin Regina Krippner sagt: "Der ideelle Wert ist entscheidend, nicht der materielle. Die Kosten zu bestimmen wäre sehr schwierig, denn ich bin kein Gutachter." Aber alles in der Ausstellung ist mit reichlich Informationen versehen, ohne sich in nebensächlichen Details zu verlieren.

Was ist Anna-Gelb und Eleonoren-Grün? Letzteres leuchtet grün. Uranglas in diesen Farben kann besichtigt werden in Form von Teller, Kännchen, Becher, Schalen oder Buchstützen. Die Strahlung von Uranglas sei sehr gering.

Einen wichtigen Ankauf sieht Regina Krippner in einem "Bergmann in Arbeitstracht" von Carl Friedrich Härtel aus dem Jahr 1874. Zu den Schenkungen gehört auch ein Gemälde von Werner Kempf "Waldstück im Erzgebirge" von 1959. Besonderes Interesse werden Erinnerungsstücke sowie Teile der Tracht des ehemaligen Leiters der Schneeberger Bergkapelle finden. Kurt Göckeritz lebte von 1902 bis 1970. Von ihm ist ein Ausweis mit Bild und eine Ehrenurkunde ausgestellt. Kurt Göckeritz war zudem 40 Jahre Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr.

Informationen zur 90-jährigen Geschichte des Museums werden als Projektion mit einem Beamer gezeigt: 1893 rief Bürgermeister Dr. von Woydt die Schneeberger auf, für die Errichtung eines Altertümer-Museums der Stadt ältere Gewerbeerzeugnisse zu überlassen. Diese Objekte wurden in einem Traditionszimmer im Rathaus ausgestellt. 1929 beschlossen Mitglieder des Bergvereins, ein Heimatmuseum zu gründen. Das wurde im Hotel und Restaurant "Sächsischer Hof" am Postplatz eingerichtet. 1933 formierte sich ein Altertumsverein. Ziel war die Gründung eines Heimatmuseums. Eine erste Ausstellung wurde in der Turnhalle des Schneeberger Turnvereins gezeigt, dem heutigen Kino in der Hartensteiner Straße. Von diesem Haus ist in der aktuellen Sonderschau eine Postkarte zu sehen. Ebenso wie das Foto einer Hutzenstube mit Spinnrad.

1933 mieteten Vereinsmitglieder Räume im Bortenreuther-Haus. Dieser damals geschlossene "Deutsche Einheitsmietvertrag" ist in der Ausstellung zu besichtigen. 1949 wurde das Heimatmuseum städtische Einrichtung. Eine Stoffpuppe der 1946 gegründeten Schneeberger Puppen- und Holzspielzeugfirma "Sieber und Sohn" (SISO) macht darauf aufmerksam, dass diese Firma in Fürth unter dem heutigen Namen "Simba Toys" zur Weltspitze der Spielzeughersteller gehört. Der "Feuerwehrmann Sam" gehört zu den berühmten Erzeugnissen dieser Firma.

Die Sonderschau "Zugewinn" ist noch bis 17. November zu sehen. Das Museum für Bergmännische Volkskunst Schneeberg öffnet dienstags bis sonntags, 10 bis 17 Uhr.

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