Musik, die leider nicht im Radio läuft

Wenn der Fremdenverkehrsverein Carlsfeld zum Bandonionfestival ruft, dann kommen alle. Nicht nur die engagierten Gruppen, sondern auch die Fans des Instruments.

Carlsfeld.

Im Bürgerhaus "Grüner Baum" gibt es - selbst am Sonntagvormittag - nur wenige freie Plätze. Die Anhänger des Bandonions lassen sich den musikalischen Frühschoppen nicht entgehen. Martina Zapf, die als Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins Carlsfeld das Bandonionfestival gemeinsam mit vielen Helfern schon zum 26. Mal organisiert, kann sich eigentlich zufrieden zurücklehnen, denn das Festival läuft wie ein Länderspiel. Insgesamt kamen an den vier zurückliegenden Festivaltagen zwischen 800 und 900 Gäste. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer sorgen dafür, dass die Konzerte in jeder Hinsicht ein Genuss sind: freundlicher Empfang, leckerer Imbiss und eine große Auswahl an Musik.

Die Qualität der Gruppen spricht für sich. Das Gran Orquesta de Tango Carambolage entführte das Publikum nach Südamerika. Sowohl Tango- als aus Zambaklänge begeisterten die Gäste. "Es gibt verschiedene Festivals und Workshops, aber das hier ist in seiner ganze Breite einmalig", sagt Jürgen Karthe, Chef des Orchesters. Sein Eindruck sei, dass das Publikum mit dem Festival älter geworden ist. Karthe und seine Ensemblemitglieder legen bei der Wahl ihrer Instrumente viel Wert auf ihre Geschichte. So spielen er und seine Musiker fast ausschließlich auf "Reimporten". Zum Teil seien die Instrumente 80 bis 90 Jahre alt und kosten zwischen 5000 und 6000 Euro. Dabei geht es Karthe längst nicht nur um Nostalgie. "Die Bandonions haben einfach einen ganz anderen Klang", sagt er und ergänzt: "Es sind ganz spezielle Tangoinstrumente."

Doch mit dem Bandonion lässt sich nicht nur Tango spielen. Damit geht auch Volksmusik, wie Jens und Paul Schmiedel unter Beweis stellten. "Wir legen viel Wert Vielfalt", betont Martina Zapf. Mit einigen Orchestern und Künstlern arbeite man schon lange zusammen. Doch immer wieder komme auch Neues hinzu. "Wir wollen Tango, klassische Musik, aber auch Volksmusik haben", sagt Zapf. Für das kommende Jahr verspricht sie bereits Orchester aus Argentinien und Brasilien.

Extra aus der Schweiz, aus Seon in der Nähe von Zürich, sind Michele Ghisletta und seine Frau Angelika Röhrig-Ghisletta angereist. Seit 1988 tanzen die beiden Tango, seit 1995 spielt Michele Ghisletta Tangomusik auf der Geige. Zudem nennt er stolze 22 Bandonions sein Eigen. "Es sind historische und vor allem ganz verschiedene Instrumente", erklärt er dazu. Durch dieses Faible wuchs auch der Wunsch, einmal Carlsfeld zu besuchen. "Weil hier die Wiege ist", sagt der Schweizer und verpasst seither kaum ein Festival.

Auch Nicola Kazmarek aus Hamburg spielt Bandonion. "Wer dieses Instrument spielt, der kennt auch Carlsfeld", ist sie sich sicher. "Allerdings schien es mir immer sehr weit weg von Hamburg." Doch die Schwärmerei für das Festival machte sie neugierig, und so steuerte sie 2012 erstmals das Erzgebirge an. "Dabei wurde gleich der Wunsch geboren, auch einmal hier zu spielen." Erfüllt wurde der Wunsch erstmals 2015 und ein zweites Mal im Vorjahr zur 25. Auflage. Eine nicht ganz so weite Anreise hatte Heike Kazalla aus Cottbus. "Ich bin schon zum zwölften Mal dabei. Mit dem Bandoneon ist viel Tradition verbunden", sagt sie und kommt angesichts des Klangs regelrecht ins Schwärmen. Manfred Otto, der im Elsass zuhause ist, schwärmt heute ebenso für das Erzgebirge und das Bandonion. "Ich kombiniere meine Besuche immer mit dem Blasmusikfestival in Bad Schlema", berichtet der 82-Jährige. "Die Vielseitigkeit des Festivals in Carlsfeld ist enorm. Hier hört man richtig gute Musik, solche, die leider nicht im Radio läuft."

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