Neue Chefs kommen aus dem Erzgebirge

Ein Gerücht hält sich derzeit hartnäckig: Die Erzgebirgische Landfarm sei von einem "Wessi" übernommen worden. Das ärgert das neue Team, das dieses Jahr kräftig investieren will.

Langenberg.

Sie sind mittlerweile so etwas wie das Wahrzeichen von Langenberg: Die sechs Hochsilos der ehemaligen LPG "Ernst Schneller", der heutigen Erzgebirgischen Landfarm GmbH (kurz Elaf). "Der Umbau eines dieser Silos war vor 28 Jahren mein Gesellenstück zur Prüfung als Landmaschinenschlosser", sagt Ralf Eric Nestler, der von 1989 bis 1991 in Langenberg gelernt hat, bevor er das Abitur ablegte und schließlich an der Leipziger Universität Rechtswissenschaften studiert hat. Heute ist er Mehrheitsgesellschafter seines ehemaligen Lehrbetriebs.

"Ich bin nun 46 Jahre alt und lebe ununterbrochen in Raschau", sagt er. Deshalb ärgert es ihn, dass sich hartnäckig das Gerücht hält: "Die Elaf sei von einem ,Wessi' übernommen worden". Dem ist nicht so. Das neue Kleeblatt an der Spitze besteht aus vier sehr bodenständigen Männern aus dem Erzgebirge.

Mit dem Jahreswechsel vollzog sich der Wechsel an der Spitze der Elaf, einem Landwirtschaftsbetrieb mit 1000 Rindern, 480 Milchkühen, Kälbernachzucht sowie 150 Mutterkühen. Lutz Bauer, der bisherige Betriebsleiter, sei aus gesundheitlichen Gründen Ende letzten Jahres ausgeschieden, heißt es. Seinen Job übernimmt Silvio Liebold. Er stammt aus Raschau, ist Landwirt, hatte sich zum geprüften Techniker für Landbau, Umwelt und Landschaft qualifiziert und hat als solcher bislang in anderen Betrieben gearbeitet. Nun freut sich der 40-Jährige darauf, nach Langenberg zurückzukehren. Er leitet den Betrieb und kann dabei mit Lukas Weber auf einen versierten Mann bauen. Der 30-jährige Landwirt kennt den Betrieb aus dem Effeff, bestimmt seit Jahren die Tier- und Milchproduktion maßgeblich mit. Ebenso wie Tierarzt Thomas Sell, der das Kleeblatt komplettiert. Gemeinsam haben sie viel vor.

Zunächst sollen in diesem Jahr rund 1,2 Millionen Euro investiert werden. Im Frühjahr wird ein neues Durchfahrtssilo gebaut. "Der Abbruch läuft bereits", sagt Thomas Sell, der den Betrieb noch aus DDR-Zeiten kennt. Sobald es die Witterung zulässt, wird gebaut. Das neue Fahrsilo wird drei Kammern haben. Bis zum Sommer soll es stehen. Die Inbetriebnahme ist für Herbst geplant. Auch die Steuerung der Bandfütterung wird erneuert. Diese soll bereits im März laufen und die Fütterung optimieren.

Das Füttern der Tiere hat den Landwirten nach dem extrem trockenen Sommer große Sorgen bereitet. "Doch wir haben es geschafft, durch ein ausgeklügeltes Futtermittelregime", sagt Lukas Weber stolz. Hungern musste keines der Tiere. Schließlich haben die Milchkühe Leistung zu bringen. Rund 11.000 Liter Milch verlassen täglich die Anlage. Doch der Milchpreis mit derzeit 30,75 Cent sei mehr als mager. "Etwa 40 Cent bräuchten wir, um von einem fairen Preis sprechen zu können", sagt Liebold. Momentan gleiche die Biogasanlage die Verluste noch aus. "Bei uns wird ja tatsächlich aus Biogas Strom produziert. Hier wird nichts verbrannt", so Liebold. 130.000 Kilowatt produziert die Anlage im Schnitt pro Monat. Stromabnehmer ist die Envia.

Am Tierbestand und der Betriebsgröße werde nichts verändert, ist sich die neue Chefriege einig. Lehrlinge habe man derzeit keine. Nicht weil man nicht ausbilden will, sondern weil sich keiner mehr bewirbt. Dennoch: Die 28 Mitarbeiter mit einem Altersdurchschnitt von unter 40 Jahren, sind auf lange Sicht sowie rund um die Uhr für ihre "Gefleckten" und deren reizenden Kälbchen da. Und die großen Silos? Die werden schrittweise stillgelegt und vielleicht irgendwann verschwinden.

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